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NEUES THEMA01.07.2020, 19:15 Uhr
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arktika

• Kuba: Corona & Gesundheitssystem Ein gutes, umfassendes Gesundheitssystem + das für alle, nicht nur wohnortnah (wovon hier und auch in vielen anderen Ländern schon viele nur träumen können), sondern sogar wohnungsnah und rund um die Uhr erreichbar, das entschärft die Corona-Lage - und nicht nur diese - gewaltig.
Ein Text von Helen Yaffe am 23. Juni auf amerika21:

Mit gutem Beispiel vorangehen: Kuba in der Covid-19-Pandemie
Die Antwort des sozialistischen Kuba auf die weltweite Pandemie ist außergewöhnlich, sowohl hinsichtlich des internen Umgangs damit wie auch wegen des internationalen Beitrags


Die Tatsache, dass eine kleine Nation, die über Jahrhunderte dem Kolonialismus und dem Imperialismus unterworfen wurde und seit der Revolution 1959 sechs Jahrzehnte der kriminellen Blockade seitens der USA ausgesetzt ist, so eine beispielhafte Rolle einnehmen kann, ist dem sozialistischen System in Kuba zuzuschreiben. Die zentrale Planung verteilt die nationalen Ressourcen nach einer Entwicklungsstrategie, die das Wohlergehen der Menschen und die gesellschaftliche Teilhabe priorisiert und nicht den privaten Profit.

Die kubanischen Behörden haben schnell auf die von China zu Jahresbeginn bereitgestellten Informationen zu SARS-CoV-2 reagiert. Im Januar riefen sie eine bereichsübergreifende Nationale Kommission zu Covid-19 ins Leben, aktualisierten ihren Nationalen Aktionsplan für Epidemien und begannen, Häfen, Flughäfen und maritime Einrichtungen zu überwachen, schulten die Angehörigen der Grenz- und Einwanderungsbehörden, damit sie auf Covid-19 reagieren können, und erarbeiteten einen Plan zur "Vorbeugung und Kontrolle". Kubanische Spezialisten reisten nach China, um sich hinsichtlich des neuartigen Coronavirus kundig zu machen, und die Kommissionen des wissenschaftlichen Rates der Regierung begannen mit ihrer Arbeit, um gegen das Virus anzukämpfen. Im Februar wurden die medizinischen Einrichtungen umstrukturiert und man bildete Personal aus, um die Ausbreitung des Virus auf der Insel zu kontrollieren. Anfang März wurde eine wissenschaftliche und biotechnologische Gruppe geschaffen, um Behandlungsmethoden, Tests, Medikamente, Impfstoffe und andere Neuerungen in Verbindung mit Covid-19 zu entwickeln. Ab dem 10. März begann man mit der Durchführung von Tests bei in das Land einreisenden Personen.

All das, noch bevor das Virus auf der Insel festgestellt wurde.

Am 11. März wurde bestätigt, dass drei italienische Touristen die ersten Covid-19-Fälle auf Kuba waren. Die kubanischen Gesundheitsbehörden traten in Aktion und organisierten Versammlungen in den Stadtvierteln, führten gleichzeitig Haus für Haus Gesundheits-Checks, Tests und Quarantänemaßnahmen durch und verfolgten die Kontakte nach; all das begleitet von Schulungsprogrammen und täglicher Aktualisierung der Daten. Am 20. März wurden Ausgangsbeschränkungen für die Bevölkerung verfügt und man forderte die Menschen auf, die Abstandsregeln einzuhalten und Masken zu tragen, wenn sie das Haus verlassen, um einer grundlegend wichtigen Arbeit nachzugehen. Die Steuern für die privaten Geschäfte und der private Schuldendienst wurden ausgesetzt, man garantierte 50 Prozent des Lohnes für die in Krankenhäuser eingelieferten Personen. Die Haushalte mit niedrigem Einkommen erhielten eine Sozial- und Familienhilfe und bekamen auch Lebensmittel, Medizin und andere Artikel nach Hause geliefert.

In Werkstätten im ganzen Land wurde, angeregt durch eine Volksbewegung der "Heimproduktion", damit begonnen, Masken zu produzieren, und es organisierten sich auf kommunaler Ebene Gruppen der gegenseitigen Hilfe, um die Schwachen und Älteren bei den Lebensmitteleinkäufen zu unterstützen, waren doch die langen Schlangen wieder alltäglich geworden.

Am 24. März schloss Kuba seine Grenzen für nicht im Land ansässige Personen. Eine harte Entscheidung angesichts der Bedeutung, die die Einnahmen aus dem Tourismus für den Staat haben. Jede ins Land einreisende Person musste in eine überwachte Quarantäne mit begleitenden Tests1. In den Provinzen und Verwaltungsbezirken wurden die Verteidigungsräte aktiviert.

Im April wurde sowohl die Bezahlung von Rechnungen für öffentliche Dienstleistungen ausgesetzt als auch der regionale und örtliche Personenverkehr gestoppt, wobei man aber den Transport für das medizinische Personal und andere Personen, die in wichtigen Dienstleistungsbereichen arbeiteten, gewährleistete. Man desinfizierte Havanna und andere Städte. 20 Städte in sechs Provinzen wurden unter vollständige oder teilweise Quarantäne gestellt. Man startete eine in Kuba entwickelte App namens "Virtuelles Screening" mit einer opt-in Funktion, die es den Nutzern erlaubt, auf eine epidemiologische Umfrage des Gesundheitsministeriums (Minsap) zu antworten, damit dieses eine statistische Analyse erstellen kann. Es wurden Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass das Virus in Gefängnisse eingeschleppt wird, zweimal täglich fanden aktive Tests statt und bis zum 23. April wurde dort kein einziger Fall festgestellt.

Am 24. Mai informierte die Regierung über 82 Todesfälle und weniger als 2.000 bestätigte Infektionsfälle auf Kuba2, bei einer Bevölkerung von 11,2 Millionen Einwohnern. Das bedeutet 173 bestätigte Fälle pro eine Million Einwohner, im Vergleich zu 3.907 pro eine Million Einwohner in Großbritannien. Kein Angehöriger des medizinischen Personals ist gestorben, obwohl sich bis Mitte April 92 Personen aus dieser Gruppe infiziert hatten.

Diese vorbildliche Reaktion Kubas basiert auf fünf charakteristischen Merkmalen seiner sozialistischen Entwicklung:

Erstens: einem einheitlichen, umfassenden und kostenlosen öffentlichen Gesundheitswesen, das Prävention vor Heilung stellt, mit einem Netz von Familienärzten, die verantwortlich sind für die allgemeine Gesundheit der Bevölkerung und die mitten unter ihren Patienten leben.

Zweitens: der bio-pharmazeutischen Industrie Kubas, die an den Bedürfnissen der öffentlichen Gesundheit orientiert ist und fast 70 Prozent der im Land verbrauchten Medikamente herstellt und darüber hinaus in 50 Länder3 exportiert.

Drittens: der Erfahrung der Insel auf dem Gebiet der Zivilverteidigung und der Reduzierung von Risiken bei Natur- und klimabedingten Katastrophen. Seine international anerkannte Fähigkeit, die nationalen Ressourcen zu mobilisieren, um Menschenleben zu schützen, erlangt Kuba dank eines Netzes von Volksorganisationen, was die Kommunikation und gemeinschaftliche Aktionen erleichtert.

Viertens: der Erfahrung der Insel bei der Bekämpfung ansteckender Krankheiten. Über Jahrzehnte hinweg hat Kuba medizinisches Fachpersonal in Länder entsandt, die unter infektiösen, auf der Insel seit geraumer Zeit ausgerotteten Krankheiten leiden und hat Zehntausende Menschen aus anderen Ländern eingeladen, in Kuba zu studieren. Das Land verfügt über gut entwickelte Verfahrenweisen, um einreisende Personen unter Quarantäne zu stellen.

Fünftens: dem kubanischen medizinischen Internationalismus, dank dem 400.000 Fachkräfte aus dem Gesundheitsbereich in 164 Ländern kostenlose Gesundheitsfürsorge für die Menschen geleistet haben, denen es daran ermangelte. Als die Pandemie begann, arbeiteten etwa 28.000 Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen in 59 Ländern. Bis Ende Mai waren weitere 2.300 Spezialisten aus den kubanischen Medizinischen Brigaden Henry Reeve für den Einsatz bei Epidemien und Katastrophen in 24 Länder entsandt worden, um Covid-19-Patienten zu behandeln.


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Verpflichtung zu einer öffentlichen Gesundheitsversorgung in hoher Qualität

1959 gab es in Kuba etwa 6.000 Ärzte, aber die Hälfte von ihnen verschwand sehr schnell. Von den 250 kubanischen Lehrkräften an der Medizinischen Fakultät der Universität von Havanna blieben nur zwölf. Es gab nur ein Krankenhaus auf dem Land. Die kubanische revolutionäre Regierung stellte sich, fast von Null beginnend, der Herausforderung, eine öffentliche Gesundheitsversorgung in hoher Qualität bereitzustellen. Dafür gründete sie 1960 den Ländlichen Medizinischen Dienst (SMR- Servicio Médico Rural), und im Verlaufe des folgenden Jahrzehnts schickte sie Hunderte frisch ausgebildete Ärzte in entlegene Gebiete des Landes.4

Die Mediziner des SMR übernahmen neben der Funktion als klinische Ärzte auch die Rolle von Ausbildern auf dem Gebiet der Gesundheit. Nationale Programme für die Prävention und die Kontrolle von Infektionskrankheiten wurden aufgelegt. Seit 1962 wurden über ein nationales Immunisierungsprogramm allen Kubanern acht kostenlose Impfungen verabreicht. Schnell wurden die Infektionskrankheiten eingedämmt und schließlich endgültig ausgerottet. Im Jahr 1970 war die Zahl der Krankenhäuser auf dem Land auf 53 gestiegen. 1976 verfügte das ganze Land über Gesundheitsdienste, und die Kennziffern hatten sich bedeutend verbessert.

Im Jahr 1974 wurde ein neues, gemeindebasiertes System von Polikliniken eingerichtet, das den kubanischen Gemeinden Zugang zu Spezialisten der medizinischen Grundversorgung vor Ort bot. Sowohl die Ausbildung als auch die Politik betonten den Einfluss, den biologische, soziale, kulturelle, wirtschaftliche und Umweltfaktoren auf die Patienten haben. Die nationalen Programme fokussierten auf die Mutter-Kind-Gesundheit, die Infektionskrankheiten, auf die chronischen, nicht übertragbaren Krankheiten und auf die Gesundheit der ältesten Erwachsenen.

1983 wurde im ganzen Land der "Plan für Ärzte und Krankenpfleger der Familie" (Plan de Médicos y Enfermeros de Familia) eingeführt, mit dem in den Wohnvierteln Familienarztpraxen eingerichtet wurden. Im Obergeschoss lebte der Arzt oder Krankenpfleger mit seiner Familie, so dass die medizinische Betreuung 24 Stunden am Tag gesichert war. Die Familienärzte koordinieren die Gesundheitsbetreuung und leiten die Kampagnen zur Gesundheitsförderung, die auf Vorbeugung und epidemiologische Analyse dringen. Dabei stützt man sich auf die Anlage von Krankenakten und die klinischen Fähigkeiten, während die kostenaufwendigen high-tech-Behandlungsverfahren für diejenigen Patienten reserviert bleiben, die sie tatsächlich benötigen; die Familienärzte konzentrieren die Patiententermine auf die Vormittagsstunden und machen an den Nachmittagen die Hausbesuche. Die medizinischen Teams diagnostizieren die Gesundheitssituation im Wohnviertel und verbinden die klinische Medizin mit der öffentlichen Gesundheit und der individualisierten "kontinuierlichen Risiko-Einschätzung und -Bewertung" (Valoración continua y evaluación de riesgos, VCER) ihrer Patienten. Die Familienärzte und Familien-Krankenpfleger sind auch in den Arbeitsstätten und großen Schulen, in Kindergärten, Altenheimen usw. tätig.

Bis 2005 kam in der kubanischen Bevölkerung ein Arzt auf jeweils 167 Personen; das ist der höchste Anteil weltweit. Kuba hat gegenwärtig 449 Polikliniken; jede einzelne davon betreut zwischen 20.000 und 40.000 Personen und dient als Zentrum für zwischen 15 und 40 Familienärzte. Es gibt mehr als 10.000 Familienärzte, die gleichmäßig über die ganze Insel verteilt sind.

Die medizinische Grundversorgung – das Rückgrat der kubanischen Antwort

Ein im April 2020 von Medicc Review veröffentlichter Artikel beschreibt das System der medizinischen Erstversorgung als eine "mächtige Waffe" gegen Covid-195. "Ohne einen frühzeitigen Zugang zu Schnelltests war klar, dass massenweise Tests nicht die erste strategische Option waren. Die medizinische Erstversorgung war es aber zweifellos."

Die kubanischen Behörden stellten sicher, dass alle zum Gesundheitswesen gehörenden Personen – einschließlich des Hilfspersonals – noch vor Feststellung des Virus im Land Schulungen zu Covid-19 erhielten. Die Fachärzte aus jeder Provinz wurden in dem weltbekannten kubanischen Krankenhaus für tropische Krankheiten, dem Institut Pedro Kouri, geschult. Nach Rückkehr in ihre Provinzen schulten sie ihre Kollegen, die Direktoren der Krankenhäuser und Polikliniken.

"Im Weiteren ging man zur dritten Stufe über, der Schulung der Familienärzte und -krankenpfleger, der technischen Angestellten der Laboratorien und der Röntgendiagnostik, des Verwaltungspersonals und auch des Wartungspersonals, der Fahrer der Krankenwagen und der Transporteure der Krankenliegen – also jedweder Person, die mit einem Patienten Kontakt haben könnte", erklärte die Direktorin einer Poliklinik, Frau Dr. Mayra Garcia, die in dem Artikel im Medicc Review zitiert wird.

Jede Poliklinik schulte auch nicht zum Gesundheitswesen gehörende Menschen in ihrem geografischen Gebiet, an den Arbeitsstätten, die Inhaber kleiner Geschäfte, Vermieter von Wohnungen speziell an Ausländer oder die Verantwortlichen von Kindertagesstätten. Ihnen wurde erklärt, wie sie Symptome erkennen und Schutzmaßnahmen ergreifen können. Als Verstärkung schickte man hochqualifizierte medizinische Fachleute der Polikliniken in die Praxen der Familienärzte.

Man stellte medizinisches Personal für die örtlichen Hotels bereit, um 24 Stunden am Tag für die dort wohnenden Ausländer Früherkennung und medizinische Betreuung zu gewährleisten. Die Notdienste ohne Voranmeldung wurden umstrukturiert, um jede Person mit Atemwegssymptomen zu isolieren und eine 24-Stunden-Beobachtung sicherzustellen. Wann immer möglich, wurden die nicht im Zusammenhang mit Covid-19 stehenden Behandlungstermine verschoben oder im Falle von Vorrang-Gruppen durch Hausbesuche ersetzt.

Der Artikel im Medicc Review hebt die Bedeutung des Modells der "fortlaufenden Risiko-Einschätzung und -Bewertung" im Kampf gegen Covid-19 hervor. Die gesamte kubanische Bevölkerung wurde bereits in vier Gruppen unterteilt: augenscheinlich Gesunde; solche mit Krankheits-Risikofaktoren; Kranke sowie Menschen im Prozess der Erholung oder Rehabilitation. Die Ärzte kennen die Gesundheits-Charakteristika und die Bedürfnisse der Gemeinden, die sie betreuen. "Das Modell der fortlaufenden Risiko -Einschätzung und Bewertung warnt uns auch automatisch im Falle von Personen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Atemwegsinfekten und Personen, deren chronische Erkrankungen die häufigsten mit Komplikationen bei Covid-19 Patienten verbundenen Risikofaktoren sind", erklärte Doktor Alejandro Fadragas.


Die Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR) organisierten in ganz Kuba Versammlungen, bei denen Ärzte und Krankenpfleger in den Wohnvierteln zum Thema Pandemie informieren konnten. Sobald die ersten Fälle bestätigt waren, wurden die täglichen Visiten der Familienärzte in den Häusern und Wohnungen ausgeweitet und entwickelten sich zum "wichtigsten Werkzeug" für das aktive Aufspüren von Fällen und um dem Virus zuvorzukommen6. Etwa 28.000 Medizinstudenten schlossen sich den Familienärzten an, um diese Besuche Haus für Haus durchzuführen und eventuelle Symptome zu entdecken. Diese Vorgehensweise bedeutet, dass die Lage in der gesamten Bevölkerung erfasst werden kann.

Die Personen, die Symptome zeigen, werden in ihre örtliche Poliklinik zu einer Schnelluntersuchung geschickt. Diejenigen mit Verdacht auf Covid-19 werden in eines der neuen Isolationszentren in den Verwaltungsbezirken geschickt, die es auf der ganzen Insel gibt. Dort müssen sie für maximal 14 Tage bleiben. Während dieser Zeit werden Tests durchgeführt, und sie erhalten medizinische Betreuung. Wenn sich herausstellt, dass es sich um eine andere Atemwegserkrankung handelt, kehren sie nach Hause zurück und müssen für mindestens 14 Tage unter begleitender Grundversorgung in häuslicher Quarantäne bleiben. Die Krankenhäuser bleiben für diejenigen reserviert, die sie wirklich brauchen.

Die Fachkräfte der medizinischen Grundversorgung sind auch dafür zuständig, schnell die Kontakte aller Verdachtsfälle aufzuspüren; diese Kontaktpersonen werden getestet und bleiben Zuhause in Quarantäne. Außerdem werden die Häuser und öffentlichen Zugänge der Häuser jener Patienten, die in die Isolationszentren geschickt wurden, gemeinsam mit Familienmitgliedern von „schnellen Einsatzteams“ desinfiziert, die von Direktoren und stellvertretenden Direktoren der Polikliniken zusammengestellt werdern. Auch die Praxen der Familienärzte werden täglich desinfiziert.

Gleichzeitig kontrolliert das medizinische Personal täglich die Beschäftigten der Hotels, in denen ausländische Bürger untergebracht sind, und die Polikliniken stellen ihnen individuelle Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Die Polikliniken und die Familienärzte sind auch verantwortlich für die 14-tägige Nachbetreuung der aus den Krankenhäusern entlassenen Covid-19-Patienten.


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EDIT: arktika
01.07.2020, 19:27 Uhr
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In Kuba produzierte Medikamente

Der kubanische Leitfaden zur Behandlung der Covid-19-Patienten enthält 22 Medikamente, die Mehrzahl davon auf der Insel produziert. Der Fokus liegt auf der Vorbeugung mit Mitteln zur Verbesserung der angeborenen Immunität. Von Anfang an zeigte sich das Potenzial, das das kubanische antivirale Medikament Heberon hatte, ein rekombinantes Interferon alfa 2b (IFNrec) Dieses biotechnologische Produkt hat seine Wirksamkeit bei Viruserkrankungen wie Hapatitis B und C , beim Zoster Herpes, bei HIV-AIDS und beim Dengue-Fieber unter Beweis gestellt. Es wird in Kuba seit 1986 und in China seit 2003 durch ChangHeber, ein kubanisch-chinesisches Joint Venture, produziert. Im Januar 2020 wählte es die Chinesische Nationale Gesundheitskommission unter 30 Medikamenten für Covid-19 Patienten aus. Da es gute Ergebnisse zeigte, führte es bald die Liste der antiviralen Medikamente an.

Dieses Medikament ist noch effizienter, wenn man es präventiv und in den ersten Phasen der Infektion anwendet. In Wuhan, China, nahmen fast 3.000 zum medizinischen Personal gehörende Personen Heberon als vorbeugende Maßnahme mit dem Ziel ein, ihre Immunreaktion zu stärken, und niemand von ihnen infizierte sich mit dem Virus, während 50 Prozent von weiteren 3.300 Ärzten, die dieses Medikament nicht eingenommen hatten, sich mit Covid-19 infizierten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Johns Hopkins Zentrum und das Weltjournal der Kinderärzte – unter anderen – empfehlen IFNrec aus Kuba in den medizinischen Leitlinien verschiedener Länder. Das Produkt war bereits in Algerien, Argentinien, Chile, Ecuador, Jamaika, Thailand, Venezuela, Vietnam, Yemen und Uruguay registriert. Mitte April waren Anfragen zu seiner Nutzung von rund 80 Ländern eingegangen, und verabreicht wurde es dann von den kubanischen Medizinischen Brigaden Henry Reeve, die im Ausland Covid-19-Patienten behandeln.

Am 14. April wurde bekannt, dass man in Kuba 93,4 Prozent der Covid-19-Patienten mit Heberon behandelt habe, und nur bei 5 Prozent kam es zu schweren Verläufen. Zu diesem Zeitpunkt informierte man, dass die durchschnittliche Sterblichkeitsrate 2,7 Prozent betrug; aber bei den mit Heberon behandelten Patienten waren es nur 0,9 Prozent.

Weitere vielversprechende kubanische Medikamente sind: Biomodulin T, ein Immunmodulator, der das Immunsystem gefährdeter Personen stimuliert und der in Kuba seit zwölf Jahren eingesetzt wird, vor allem zur Behandlung von wiederkehrenden Atemwegsinfektionen bei älteren Menschen; der monoklonale Antikörper Itolizumab (Anti-CD6), der zur Behandlung von Lymphomen und Leukämie angewendet wird und der Covid-19-Patienten in ernstem oder kritischen Zustand verabreicht wurde, um die Sekretion entzündlicher Zytokinen zu hemmen, die einen massiven Fluss von Substanzen und Flüssigkeiten in die Lunge auslösen; CIGB-258 , ein neues immunmodulares Peptin, das zur Reduzierung entzündlicher Prozesse entwickelt wurde. Bis zum 22. Mai waren 52 Covid-19-Patienten mit CIGB-258 behandelt worden, und die Überlebensrate bei denjenigen mit schwerem Verlauf lag bei 92 Prozent gegenüber einem Durchschnitt in der Welt von 20 Prozent, während die Überlebensrate bei den Patienten in kritischem Zustand bei 78 Prozent lag; und schließlich das Blutplasma von genesenen Patienten.

Die kubanischen Medizin-Wissenschaftler entwickeln derzeit eine eigene Version von Kaletra, einer antiretroviralen Kombination von Lopinavir und Ritonavir, die benutzt wird, um HIV/AIDS zu behandeln. Dieses Medikament in Kuba zu produzieren, wird teure Importe der großen pharmazeutischen kapitalistischen Industrie vermeiden und die Blockade durch die USA brechen. Gleichzeitig hat man an alle Bewohner der Insel kostenlos das homöopathische Medikament Prevengho-Vir verteilt, von dem man glaubt, dass es das Immunsystem stärkt. Die Medizin-Wisenschaftler evaluieren derzeit zwei Impfstoffe, um das Immunsystem zu stärken,und man untersucht vier Kandidaten eines möglichen vorbeugenden spezifischen Impfstoff gegen Covid-19.

Anfang Mai hatten kubanische Wissenschaftler Suma, ein kubanisches computergestütztes Diagnosesystem zum schnellen Nachweis von Covid-19-Antikörpern, entwickelt, was die Durchführung von Massentests zu niedrigen Kosten erlaubt. "Das Ziel ist, neue Fälle aufzuspüren und dann einzugreifen, zu isolieren, die Kontakte nachzuverfolgen und alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass Kuba so weitermacht wie bisher", bekräftigte am 11. Mai der herausragende kubanische Epidemiologe Francisco Durán bei seinem täglichen Fernsehauftritt. Das bedeutet, dass die Insel nicht mehr von gespendeten Testsets oder von kostspieligen, im Ausland gekauften Tests abhängt. Das wird die vergleichsweise hohe Zahl von Tests in Kuba noch beträchtlich erhöhen.

Das Unternehmen BioCubaFarma produziert gegenwärtig massenweise Masken, individuelle Schutzausrüstung und medizinische sowie Sanitärprodukte und koordiniert außerdem die staatlichen Unternehmen und die selbstständigen Werktätigen bei den Reparaturarbeiten von lebenswichtigen Ausrüstungsgegenständen, wie etwa den Beatmungsgeräten. Die Bemühungen Kubas, neue Beatmungsgeräte zu kaufen, werden durch die Blockade der USA, die seit fast 60 Jahren auch Nahrungsmittel und Medikamente einschließt., behindert.

An der Spitze des weltweiten Kampfes

Am 18. März erlaubt Kuba dem Kreuzfahrtschiff MS Breamar, mit 684 Passagieren an Bord - mehrheitlich Briten - und fünf bestätigten Covid-19-Fällen, in Havanna vor Anker zu gehen, nachdem das Schiff schon eine Woche seinem Schicksal überlassen auf hoher See zugebracht hatte, weil Curacao, Barbados, die Bahamas, die Dominikanische Republik und die USA ihm die Einfahrt in ihre Territorialgewässer verweigert hatten. Die kubanischen Behörden sorgten für den sicheren Transfer der Passagiere zu Charterflügen in ihre Heimatländer.

Drei Tage später traf eine aus 53 Personen bestehende kubanische medizinische Brigade in der Lombardei (Italien) ein, zu diesem Zeitpunkt das Epizentrum der Pandemie, um die lokalen Gesundheitsbehörden zu unterstützen. Die Ärzte waren Mitglieder der Medizinischen Brigaden Henry Reeve, die 2017 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Anerkennung ihrer kostenlosen medizinischen Notfallunterstützung den Preis für das öffentliche Gesundheitswesen erhalten hatte. Es war die erste kubanische Medizinmission in Europa. Bis zum 21.Mai waren mehr als 2.300 kubanische Fachkräfte des Gesundheitswesens zur Behandlung von Covid-19-Patienten in 24 Ländern im Einsatz, einschließlich einer zweiten Brigade im Norden Italiens und einer anderen im Fürstentum Andorra.7


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NEUER BEITRAG01.07.2020, 19:25 Uhr
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Die Gefahr des guten Beispiels

Der kubanische medizinische Internationalismus begann 1960, aber der Export von Fachkräften aus dem Gesundheitswesen war bis zur Mitte der 2000er Jahre keine Quelle staatlicher Einkünfte. Das Begann mit dem berühmten Programm "Erdöl für Ärzte", mit dem 30.000 Beschäftigte des kubanischen Gesundheitswesens ihre Arbeit in Venezuela aufnahmen. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush versuchte, die Einkünfte aus dem kubanischen medizinischen Export mit dem "Cuban Medical Professional Parole Program" zu sabotieren, das die kubanischen Fachkräfte – die keinerlei Studiengebühren bezahlt hatten, die ihren Studienabschluss erreichten, ohne Schulden machen zu müssen, und die freiwillig Verträge unterschrieben, im Ausland zu arbeiten und benachteiligten Bevölkerungsgruppen ohne medizinischen Betreuung zu helfen – veranlassen sollte, ihre Missionen zu verlassen im Tausch für den Erhalt der amerikanischen Staatsbürgerschaft. Präsident Barack Obama hielt an diesem Programm fest, sogar auch dann, als er die kubanischen Ärzte für ihren Kampf gegen Ebola in Westafrika lobte. Das Programm endete erst in den letzten Tagen seiner Amtszeit im Januar 2017.

Die Regierung von Donald Trump hat die Attacken gegen die medizinischen Missionen Kubas erneuert und dazu angestiftet, sie aus Brasilien, Ecuador und Bolivien auszuweisen, was Millionen von Menschen in diesen Ländern nun ohne gesundheitliche Betreuung zurücklässt. Das Motiv ist das Gleiche: Einnahmen eines Landes zu blockieren, das 60 Jahre lang US-amerikanische Feindseligkeiten überlebt hat.

Im Kontext der Pandemie, wo die schuldhaften Fehler der US-Regierung Zehntausende von vermeidbaren Todesfällen verursacht haben, stellt die weltweite Vorreiterrolle des sozialistischen Kuba eine Gefahr des guten Beispiels dar. In seinen Angriffen hat das US-Außenministerium die kubanischen Ärzte als "Sklaven" bezeichnet und behauptet, dass die kubanische Regierung nach Einkünften und politischem Einfluss strebt. Es setzt die Länder, denen kubanischen Hilfe zugute kommt, unter Druck, diese Hilfe zu einem Zeitpunkt abzulehnen, wo sie sie dringend brauchen. Diese Angriffe sind besonders bösartig, weil Kuba wahrscheinlich keinerlei über die reine Kostenerstattung hinausgehende Vergütung für diese Hilfe erhält.

Gleichzeitig verhindert die US-Blockade, die als Strafmaßnahme unter der Präsidentschaft von Trump noch verschärft wurde, den Kauf von Beatmungsgeräten, die Kuba dringend für seine eigenen Covid-19-Patienten benötigt. Eine chinesische Spende für Kuba mit medizinischen Ausrüstungsgegenständen wurde blockiert, weil die Fluggesellschaft, die die Güter transportierte, aus Angst vor der Strafe der USA Kuba nicht anflog. Derzeit wird die internationale Forderung nach Beendigung aller Sanktionen, insbesondere gegen Kuba, das seine weltweite Führerschaft im Kampf gegen SRAS-CoV-2 bewiesen hat, immer lauter.

Wir sollten uns dieser Forderung anschließen. Es gibt auch Aufrufe von Organisationen und Einzelpersonen zur Nominierung der Medizinischen Brigaden Henry Reeve für den Friedensnobelpreis.

Was aus dieser Geschichte über den auf festen Prinzipien basierenden medizinischen Internationalismus ganz klar wird, ist, dass mit oder ohne Anerkennung das revolutionäre Kuba weiter für die Gesundheitsversorgung überall in der Welt kämpfen wird, wo immer seine Bürger und Bürgerinnen und sein Beispiel hingelangen können.

Helen Yaffe ist Professorin für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Glasgow, spezialisiert auf die Entwicklung Kubas und Lateinamerikas

Für weitere Details zur kubanischen Reaktion auf Covid-19 siehe Medicc Review, April 2020


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