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NEUES THEMA21.06.2020, 16:25 Uhr
EDIT: FPeregrin
21.06.2020, 16:28 Uhr
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FPeregrin

• Zum Tod von Edén Pastora jW von gestern:

Legendärer Rebell

Zum Tod des nicaraguanischen Exguerillaführers Edén Pastora

Von Volker Hermsdorf

Der unter seinem Kampfnamen »Comandante Cero« bekanntgewordene nicaraguanische Guerillaführer Edén Pastora Gómez, legendärer Rebell und Minister der sandinistischen Regierung, ist am Dienstag im Alter von 83 Jahren in Managua an einem Herzinfarkt verstorben. Um den Exguerillero, eine der widersprüchlichsten Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Linken, ranken sich auch nach seinem Tod unterschiedliche Gerüchte und Bewertungen. Während Nicaraguas Präsident Daniel Ortega, der von Pastora nach dem Erfolg im gemeinsamen Kampf gegen Diktator Anastasio Somoza vorübergehend bekämpft worden war, den Verstorbenen als »Helden« würdigte und Vizepräsidentin Rosario Murillo ihn gar zur »Legende im ewigen Heldenhimmel« emporhob, bezeichnete Costa Ricas rechtsgerichtete Expräsidentin Laura Chinchilla ihn als »Verräter«.

Auch um die Todesursache gibt es Spekulationen. Álvaro Pastora, ein Enkel des Verstorbenen, hatte die Öffentlichkeit darüber informiert, dass sein Großvater Anfang Juni mit einer Lungenentzündung in ein Militärkrankenhaus Managuas eingeliefert worden und dort schließlich einem Herzinfarkt erlegen war. Rechte Oppositionelle, die der Regierung vorwerfen, das Ausmaß der Coronainfektionen zu verschleiern, verbreiteten dagegen, Pastora sei an ­Covid-19 gestorben. Obwohl die Witwe dies sofort energisch dementierte und zahlreiche Medien, darunter die New York Times, die Angaben der Familie korrekt vermittelten, kursiert die Unterstellung online weiter.

Mit 25 Jahren hatte sich der 1937 in Ciudad Darío geborene Pastora der 1961 von dem Marxisten Carlos Fonseca gegründeten Befreiungsbewegung »Frente Sandinista de Liberación Nacional« (FSLN) angeschlossen. Weltweit bekannt wurde er im August 1978, als er unter dem Namen »Comandante Cero« mit Verbündeten den Nationalpalast in Managua stürmte. Ziel der spektakulären Aktion war es, gefangene Guerilleros im Austausch gegen Abgeordnete, unter denen sich auch Angehörige Somozas befanden, freizupressen. Elf Monate später wurde der Diktator von aufständischen Volksmassen unter Führung der Sandinisten gestürzt. Pastora wurde unter Präsident Ortega zunächst stellvertretender Innenminister und später Vizeverteidigungsminister.

Über die Gründe für ein bald folgendes Zerwürfnis mit den FSLN-Comandantes gibt es unterschiedliche Darstellungen, die von verletzten Eitelkeiten bis zu politischen Differenzen reichen. Im Juli 1981 trat Pastora als stellvertretender Verteidigungsminister zurück und ging nach Costa Rica ins Exil. Von dort trat er mit einer kleinen konterrevolutionären Gruppe, der »Alianza Revolucionaria Democrática«, den bewaffneten Kampf gegen die Sandinisten an. Er bestritt jedoch die ihm unterstellte Zusammenarbeit mit der CIA. Als die USA 1986 vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen ihrer Rolle im Contra-Krieg verurteilt wurden, kehrte Pastora den Konterrevolutionären endgültig den Rücken.

Nachdem Ortega und die FSLN die Wahlen im Februar 1990 gegen die rechte Verlegerin Violeta de Chamorro und deren von den USA unterstütztes antisandinistisches Oppositionsbündnis verloren hatten, kehrte Pastora in sein Heimatland zurück. Nach Ortegas Wiederwahl 2006 bereinigten die beiden Comandantes ihre alten Differenzen. Pastora, der sich von den früheren Contra-Aktivitäten und den USA distanziert hatte und die FSLN erneut unterstützte, erhielt 2010 einen leitenden Regierungsposten im Verwaltungsbezirk Río San Juan, wo er sich 2011 in einem Grenzstreit mit Costa Ricas damaliger Präsidentin Chinchilla anlegte. Im Gegensatz zu ihr drückte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro »dem Volk, der Regierung und allen militanten Sandinisten in Nicaragua« seine »tief empfundene Trauer über den Tod des Comandante Cero« aus. Dessen legendäre Parlamentsbesetzung sei »ein Symbol des Widerstandes und des Sieges der lateinamerikanischen Völker über die imperiale Unterdrückung«, heißt es in einem Kommuniqué des venezolanischen Außenministeriums.


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NEUER BEITRAG21.06.2020, 16:26 Uhr
EDIT: FPeregrin
21.06.2020, 16:27 Uhr
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FPeregrin

Einige notwendige Korrekturen bringt ein Lesebrief ebd.:

Eden Pastora, er wurde am 22. Januar 1937 in Ciudad Dario geboren, schloss sich nicht mit 25, sondern mit 24 Jahren der FSLN an. Nach dem gescheiterten Medizinstudium in Mexiko gründete er 1959 die Guerilla-Gruppe "Revolutionäre Front Sandino", der 75 Kämpfer angehörten.

Über die Gründung der FSLN berichtete Eden Pastora: "In Patuca, am Río Guineo, in einem Gespräch über die Einheit zwischen der Front der Nationalen Befreiung, die sich Nueva Nicaragua nannte, und der Revolutionären Front Sandino sprachen wir nicht über die Einheit, denn in der Front der Nationalen Befreiung waren alle, die bereits in der Revolutionären Front Sandino gewesen waren... Das war 1961. Dort in Patuca trafen wir uns mit Carlos Fonseca… Wir akzeptierten alles, nur den Namen nicht...“

Nach drei Tagen Verhandlungen schlug Carlos Fonseca vor, die Bewegung Sandinistische Front der Nationalen Befreiung zu nennen und ihr, wie bei Sandino, die rotschwarze Fahne zu geben. Eden Pastora war einverstanden. Er berichtete: "Auf einem Zettel entwarf Carlos ein Abkommen. Wir unterschrieben es und er fuhr auf der Straße nach Tegucigalpa davon… So wurde die Sandinistische Front der Nationalen Befreiung geboren.”

Eden Pastora wurde nicht unter Präsident Ortega Vize-Innenminister und Vize-Verteidigungsminister. Am 19. Juli 1979 siegte die Sandinistische Volksrevolution. Da gab es noch keinen Präsidenten Ortega. Das wurde er erst nach den Wahlen 1984.

Nach dem Sieg 1979 wurde das Land von einer Regierungsjunta angeführt, die sich Mitte Juni 1979 in San José (Costa Rica) auf Initiative der FSLN gebildet hatte. Ihr gehörten Violeta Chamorro (UDEL), Sergio Ramirez (Gruppe der Zwölf), Alfonso Robelo (FAO), Moisés Hassan (MPU) und Daniel Ortega (FSLN) an. Nach dem Sieg setzte die Nationalleitung der FSLN, bestehend aus je drei Comandantes der drei Tendenzen, Eden Pastora als Vize von Innenminister Tomas Borge und 1980 als Vize von Verteidigungsminister Humberto Ortega ein.

Im Juli 1981 trat er zurück und ging ins Exil. Er war unzufrieden mit seiner Stellung in der FSLN. In Costa Rica gründete er die Revolutionäre Demokratische Allianz (ARDE) und kämpfte gegen seine früheren Compañeros. Die Gruppe zerfiel, als die USA versuchten, Pastora für die Contra zu gewinnen. 1985 verließ er die ARDE.

Daniel Ortega und Eden Pastora. Pastora versöhnten sich vor den Präsidentschaftswahlen 2006. Pastora und seine Anhänger traten in das Bündnis der FSLN „Vereintes Nicaragua siegt!“ ein.

Wolfgang Herrmann, Dreesch
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