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02.05.2018, 21:24 Uhr
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FPeregrin

• Elmar Altvater ✝ Was immer man im Einzelnen von ihm gehalten haben mag: Elmar Altvater ist gestern gestorben. Ich stelle mal den Attac-Nachruf hier ein:

Elmar Altvater gestorben
Ein Nachruf des Wissenschaftlichen Beirats und des Koordinierungskreises von Attac Deutschland

02.05.2018

Am 1. Mai ist Elmar Altvater im Alter von 79 Jahren gestorben. Er war Gründungsmitglied des wissenschaftlichen Beirats von Attac, hat an vielen Stellungnahmen mitgewirkt und trat häufig öffentlich auf, um mit seinen Analysen zu politischen Klärungsprozessen und Strategiebildung beizutragen: bei Attac-Kongressen, Sommerakademien oder vor lokalen Gruppen. Er war einer der profiliertesten und streitbarsten Kapitalismuskritiker – unbequem, ein Querdenker und gleichzeitig wortgewandt und charmant.

Inspririerender Kritiker kapitalistischer Ökonomie

Elmar Altvater hat Studierende und die Teilnehmenden an öffentlichen Veranstaltungen, KollegInnen und FreundInnen immer beeindruckt durch sein umfassendes Wissen, seine Kenntnisse internationaler Gegebenheiten, seine nachdrückliche Art, sich sachlich und engagiert, argumentativ und kämpferisch, weitblickend und oftmals geradezu prophetisch zu äußern. Seine Analyse der Gesellschaft, die immer auch Kritik kapitalistischer Ökonomie war, ist wegweisend und wird weiter für uns alle inspirierend sein.

Elmar Altvater, geboren am 24. August 1938, wuchs im östlichen Ruhrgebiet, in Kamen in einer Bergarbeiterfamilie auf. Der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung blieb er kritisch verbunden. Nach dem Abitur studierte er in München Ökonomie und Soziologie und wurde mit der Kritik der politischen Ökonomie vertraut, der er in seinen theoretischen wie zeitdiagnostischen Analysen und Kritiken bis zuletzt verpflichtet blieb. Schon der Titel seiner Promotion "Gesellschaftliche Produktion und ökonomische Rationalität: externe Effekte und zentrale Planung im Wirtschaftssystem des Sozialismus", die er 1968 abschloss, zeugt von einer undogmatischen und innovativen Herangehensweise. Die externen Effekte blieben für Elmar ein erkenntnisleitendes Phänomen, das ihm später half, Fragen der Ökologie nicht moralisch zu diskutieren, sondern rational mit einer Kritik der kapitalistischen Ökonomie zu verbinden.

Elmar Altvater wurde einer der Vordenker einer marxistisch inspirierten ökologischen Kritik der politischen Ökonomie. Den Raubbau an der Umwelt begriff er als externen Effekt einer am Profit orientierten Ökonomie, als Teil der Destruktivkräfte des Kapitalismus. Früh trat er für eine solartechnische Revolution der energetischen Grundlagen der globalen Gesellschaft ein.

Nach einigen Jahren als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Erlangen erhielt er 1971 eine Professur für Politische Ökonomie am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und arbeitete dort bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004. In seinem produktiven Wissenschaftlerleben veröffentlichte er 37 Bücher und unzählige Aufsätze. Eines seiner ersten Arbeitsvorhaben war 1970 die Gründung der Zeitschrift Prokla, was damals hieß: "Probleme des Klassenkampfs". Später erhielt Prokla den Untertitel: "Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft" − sie ist bis heute geprägt von Elmar eine der Führenden in der kritischen Wissenschaft.

Theoretisches Rüstzeug für die globalisierungskritische Bewegung

Als Elmar Altvater 2008 nach 35 Jahren aus der Redaktion der Prokla ausschied, wurde seine Arbeit für die Zeitschrift unter anderem mit folgenden Worten gewürdigt: "Schon sehr früh betonte er, dass der Kapitalismus nicht als eine allein nationalstaatlich bestimmte Größe, sondern als Weltmarktzusammenhang zu untersuchen sei. Was heutzutage nach vielen Debatten über Globalisierung durchaus vertraut klingt, war es Anfang der 1970er Jahre keineswegs." Die von ihm eingebrachten globalen Perspektiven und seine Analysen der Globalisierungsprozesse waren theoretisches Rüstzeug für die globalisierungskritische Bewegung, in der Elmar seit den 1980er Jahren auf für eine Entschuldung der Länder des Südens und gegen Investitionsschutzabkommen stritt. Als sein Hauptwerk, das er gemeinsam mit Birgit Mahnkopf verfasste, kann das weit rezipierte Werk "Grenzen der Globalisierung. Ökonomie, Ökologie und Politik in der Weltgesellschaft" von 1996 gelten. Innovativ war auch das von beiden verfasste Buch "Globalisierung der Unsicherheit – Arbeit im Schatten, schmutziges Geld und informelle Politik", das für die Kritik der politischen Ökonomie Neuland betrat. In dem Buch "Konkurrenz für das Empire: die Zukunft der Europäischen Union in der globalisierten Welt" von 2007 weisen Altvater und Mahnkopf sehr früh auf die Strategie der EU hin, über Freihandelsverträge mit dem Süden ihre wirtschaftliche Macht auszubauen. Die Kritik der Freihandelspolitik wurde mit TTIP dann allgemein und zu einer der größeren sozialen Bewegungen der Bundesrepublik.

Elmar war in der internationalen marxistischen Debatte einer der wichtigsten zeitgenössischen Vertreter aus Deutschland. Seine Beiträge sind bis heute von unschätzbarem Wert für Attac und die globalisierungskritische Bewegung. Nicht nur deshalb wird er fehlen.


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02.05.2018, 21:31 Uhr
Nutzer / in
tolpatchow

Elmar Altvater ✝ Altvater hat vor allem dazu beigetragen den Marxismus als Weltanschauung in einer echt düsteren Zeit vor der totalen Freak-Ecke zu bewahren. Allein dafür gebührt ihm Dank. Das ging vermutlich nur mit einer ziemlichen Flexibilität gegenüber "zeitgenössischen" Strömungen.
02.05.2018, 23:47 Uhr
Nutzer / in
MARFA

Elmar Altvater ✝ Ein eigentlich ganz schöner, aber politisch seichter Nachruf aus dem nd:
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Und etwas prosaischer die jW. Aber da gibt es bestimmt noch mehr in den nächsten Tagen, Altvater war ja immer wieder bei den Luxemburg-Konferenzen oder prominent im Blatt (fehlendes Kontaktschulddenken muss man ihm auch hoch anrechnen):
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08.05.2018, 22:57 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Elmar Altvater ✝ Auch wenn ihn jetzt schon alle gelesen haben, ... einer sollte ihn ja jetzt auch hier einstellen, den Nachruf in der jW von gestern von Raul Zelik

Einer der ganz wenigen

Auf der Suche nach einem grünen Sozialismus: Zum Tod des Marxisten Elmar Altvater
:

Elmar Altvater war ein vielseitiger Mann: Ein hervorragender Koch und großzügiger Gastgeber. Ein Antiautoritärer (u. a. war er Mitgründer von einem der ersten Kinderläden Westberlins), aber manchmal auch ein schroff auftretender Professor. Ein Bewegungsaktivist, der sich vom SDS bis zu ATTAC in den verschiedensten außerparlamentarischen Gruppen engagierte. Ein Parteimensch, der – nach der Beteiligung Deutschlands am Jugoslawien-Krieg – die Grünen verließ, um wenige Jahre später der Partei Die Linke beizutreten, für die er zentrale Teile ihres Programms verfasste. Ein profunder Kenner von Romanen und philosophischen Grundlagenschriften, die er auch immer wieder in seine wissenschaftlichen Texte einfließen ließ. Doch die wichtigste Eigenschaft Elmar Altvaters bestand sicherlich darin, dass er einer der ganz wenigen Ökonomen war, die marxistische Gesellschaftsanalyse und Ökologie konsequent miteinander verschränkten. Er starb am 1. Mai. Im August wäre er 80 Jahre alt geworden.

Probleme des Klassenkampfs

Seine Suche nach einem grünen Sozialismus begann schon in den 1960er Jahren, als Elmar Altvater, damals noch in Bayern, über Umweltprobleme in der Sowjetunion promovierte. 1971 wurde er Professor für Politische Ökonomie an der FU Berlin – er selbst betonte oft, dass er das auch einer sozialen Bewegung verdankte, weil studentische Gruppen die Besetzung des Lehrstuhls mit einem Marxisten gefordert hatten. In den 1970er Jahren lagen Altvaters Schwerpunkte noch eher auf marxistischer Theorie und der Erforschung von Wirtschaftskrisen. Außerdem baute er damals die Prokla mit auf, voll ausgesprochen »Probleme des Klassenkampfs«, eine wichtige Dreimonatszeitung für kritische Sozialwissenschaften, die auch heute noch erscheint. Doch in den 1980er Jahren wandte er sich mit großem Nachdruck der Entwicklung einer ökologisch-marxistischen Gesellschaftskritik zu.

Von zentraler Bedeutung dabei waren seine längeren Forschungsaufenthalte in Brasilien, die ihn u. a. ins amazonische Belém führten. Altvater wies mit Rückgriff auf den physikalischen Begriff der »Entropie« – vereinfacht gesagt: des Gesetzes wachsender Unordnung und gleichmäßigerer Energieverteilung – darauf hin, dass menschliche Verarbeitungsprozesse, die in der Ökonomie als reichtumssteigernd verzeichnet werden, den natürlichen Reichtum oft unumkehrbar vernichten. Altvater illustrierte das gern mit dem alten Witz: Man kann aus einem Aquarium eine Fischsuppe machen, aber aus einer Fischsuppe kein Aquarium.

Elmar Altvater arbeitete damit ein grundlegendes Problem der Ökonomie heraus: Obwohl das griechische Wort Oikonomia ursprünglich das Haushalten mit knappen Ressourcen meinte, läuft Ökonomie heute auf die Zerstörung natürlicher Grundlagen hinaus. Die großen Volkswirtschaftsschulen ignorierten, so Altvater, systematisch die physikalischen Energie- und Naturgesetze.

»Entbettung der Märkte«

Damit war Altvater auch schnell bei dem häretisch-sozialistischen Wirtschaftshistoriker Karl Polanyi, der 1944 in seinem berühmten Buch »The Gre at Transformation« den Begriff »Entbettung der Märkte« entwickelt hatte. Gerade das, was den Markt so innovativ und dynamisch macht, werde der Gesellschaft zum Verhängnis. Polanyi zeichnete anhand des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts nach, wie die Befreiung des Marktes von politischen und moralischen Schranken zur Zerstörung seiner gesellschaftlichen Existenzgrundlage führte. Der entfesselte Markt zersetzte den sozialen Zusammenhalt und bereitete damit dem Aufstieg von Militarismus, rassistischen Bewegungen und schließlich auch den Weltkriegen das Terrain .

Elmar Altvater griff dieses Argument auf und wandte es auf die ökologische Frage an. Als nach dem Zusammenbruch des Ostblocks der Markt endgültig seine Überlegenheit bewiesen zu haben schien und mit den Marxisten auch die Keynesianer aus dem Universitätsbetrieb gedrängt wurden, veröffentlichte Elmar Altvater die Bücher »Die Zukunft des Marktes« (1991) und »Der Preis des Wohlstands« (1992). Darin arbeitete er die Möglichkeiten, aber auch die grundlegenden Probleme der Regulation durch den Markt heraus. Zentraler Aspekt seiner Argumentation waren die Externalisierungseffekte, über die zuletzt der Münchner Soziologe Stephan Lessenich ein vielbeachtetes Buch (»Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis«, 2016) geschrieben hat. Altvater analysierte den Effekt schon vor 25 Jahren: Auf dem Markt sind die Konkurrenten ständig darum bemüht, Kosten nach außen oder in die Zukunft abzuwälzen. Manchmal tun sie das illegal, indem sie Müll im Wald deponieren; andere Male legal, indem sie toxische Substanzen in afrikanische oder asiatische Länder exportieren. Bisweilen werden die Kosten einfach an die Kunden weitergegeben, die dann z. B. die Entsorgung von gesundheitsgefährdenden Möbeln oder Baustoffen in ihrer Freizeit übernehmen müssen, anstatt mit ihren Kindern in der Hängematte zu liegen. Aber ganz besonders dramatisch wirkt der Externalisierungseffekt über die Zeit: Dann nämlich, wenn die Folgen ökonomischen Handelns erst Jahrzehnte später richtig zum Tragen kommen.

Der Klimawandel ist das beste Beispiel für diesen Effekt. Die Kosten der Erderwärmung werden in den nächsten Jahren enorm steigen. Doch diejenigen, die sie durch CO2-Emissionen verursacht haben, konnten ihre Gewinne teilweise schon vor Jahrzehnten einfahren oder leben viele tausend Kilometer entfernt von den Inseln, die durch die Erderwärmung zerstört werden.

Im Kapitalozän

Altvater hat sehr konsequent darauf gedrungen, den weltumspannenden Charakter des Kapitalismus ernst zu nehmen und die ökologischen und sozialen Folgen in ihrer Verschränktheit zu begreifen. Das hat ihn zuletzt auch zu der These bewegt, wir lebten nicht im »Anthropozän«, also einem von der Menschheit bestimmten Erdzeitalter, sondern in einem »Kapitalo­zän«. Erst der industrielle Einsatz fossiler Brennstoffe, wie er vom Verwertungszwang des Kapitals in Gang gebracht wurde, habe den rasanten Transformationsprozess eingeleitet, der die Natur unseres Planeten so dramatisch verändert.

Das Grandiose an Elmar Altvater war, dass er das Recht der Natur ernst nahm, ohne die sozialen Verhältnisse der unteren Klassen hier und im globalen Süden aus den Augen zu verlieren. Heute wird immer deutlicher, dass die Linke nur als ökosozialistische Bewegung eine Zukunft haben kann. Doch in der politischen Praxis fällt es linken Bewegungen schwer, die Ansätze zu verbinden: Wie können Klimaaktivisten und Arbeiter im Braunkohletagebau Gemeinsamkeiten formulieren? Wie können Gewerkschaften mehr materielle Teilhabe durchsetzen, ohne damit einen stumpfsinnigen Konsumismus zu befeuern? Wie können die Lebensverhältnisse im Süden verbessert und wie kann gleichzeitig die destruktive Wachstumsmühle gestoppt werden? Elmar Altvater hat gezeigt, dass man die Dinge nicht nur gemeinsam denken müsste, sondern sie auch gemeinsam denken kann. Auch deshalb wird er sehr fehlen.


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15.05.2018, 15:45 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

Elmar Altvater ✝ Der Nachruf von Georg Fülberth aus der UZ vom 11. Mai sei hier jetzt ebenfalls eingestellt.

Große Ausstrahlung
Ein Nachruf auf Elmar Altvater


Dass Elmar Altvater, der am 1. Mai 2018 starb, Sohn eines Bergarbeiters war, hat er nie vor sich hergetragen.

1938 geboren, studierte er in München Volkswirtschaftslehre und promovierte 1968 mit einer Arbeit über „Gesellschaftliche Produktion und ökonomische Rationalität: externe Effekte und zentrale Planung im Wirtschaftssystem des Sozialismus“. Da war er schon sozusagen der Ökonom des SDS. Nach einer Assistentenzeit an der Universität Erlangen wurde er 1971 Professor für Politische Ökonomie am Otto-Suhr-Institut (OSI) der FU.

Früh hat er Marx für sich entdeckt und bis in seine letzten Jahre hinein die Kenntnis des „Kapital“ immer neuen Generationen von Studierenden und politisch Aktiven nahegebracht. Aber das war nur ein Teil seiner Arbeit, Lehre in den verschiedensten Formen. Daneben und vor allem gab es seine weitgespannte Forschung. Die Währungskrise des November 1968 mag ein Anstoß für ihn gewesen sein, dass die globalen Kapitalbewegungen fortan ein zentrales Gebiet seiner wissenschaftlichen Arbeit wurden. Ihnen spürte er im Kapillarsystem der Weltwirtschaftsordnung nach. Bahnbrechend wurde sein Buch „Sachzwang Weltmarkt“ von 1987, in dem er am Beispiel Brasiliens zeigte, wie das Kapital ganze Regionen „in Wert“ und „außer Wert“ setzt: über sie herfällt und sie verwüstet zurücklässt. Dies führte ihn schließlich auch zur Untersuchung der ökologischen Auswirkungen. Auch Natur kann in Wert und außer Wert gesetzt werden. 2005 schrieb er über „Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen“. Gemeint war die Erschöpfung der fossilen Grundlagen dieser Produktionsweise. Der Übergang zu einer solaren Energiewirtschaft müsse dezentral und solidarisch organisiert werden. Am Ende, schon schwer krank – gleichsam in einer Art Vermächtnis –, kehrte er noch einmal zur didaktischen und popularisierenden Vermittlung der Grundlagen des Historischen Materialismus zurück: in zwei schmalen Bändchen, in denen er dazu anleitete, Marx und Engels neu zu entdecken, jetzt mit dem Schwerpunkt auf dem Mensch-Natur-Verhältnis.

Es wird sich schwer klären lassen, ob die Wissenschaft Elmar Altvater zur Politik trieb oder umgekehrt sein politisches Engagement der Ausgang für seine ökonomischen Analysen war. Er war im SDS, in der Sozialistischen Assistentenzelle am OSI, im Sozialistischen Büro, dann Mitglied der Grünen. Die verließ er 2001: als die Schröder-Fischer-Regierung sich an Kriegen beteiligte und die letzten ökosozialistischen Spuren aus dieser Partei ausgewaschen waren. Typisch für ihn war, dass er, wenn er ging, dies wohl zwar im Zorn getan haben mag, aber nie aggressiv. Seit 2007 war er in der Partei „Die Linke“, und er beteiligte sich am „Institut Solidarische Moderne“ sowie an ATTAC.

Dieser Marxist der ersten (bundesrepublikanischen) Stunde war nie Kommunist. Er blieb der Linkssozialist, der er schon im SDS war, und reicherte diese Position in einem langen Forscher- und Aktivistenleben immer weiter an. Die Intervention der Warschauer-Vertrags-Organisation in der Tschechoslowakei hat er verurteilt. Der Theorie des Staatsmonopolistischen Kapitalismus konnte er nichts abgewinnen. Er hat sich mit ihren Vertretern auseinandergesetzt, aber nie persönlich-polemisch, sondern in einer Form des wissenschaftlichen Streits, die in ihrer Kombination von sachlicher Unnachgiebigkeit und Respekt, die kennzeichnend für ihn war und zur Nachahmung zu empfehlen ist.

Ob dies immer auf Gegenseitigkeit beruhte, wäre irgendwann noch zu untersuchen. Anfang der siebziger Jahre wurde er aus der Zeitschrift „Sozialistische Politik“ hinausgedrängt, wohl kein Ruhmesblatt für übereifrige junge Kommunistinnen und Kommunisten damals. Er hat danach die „Probleme des Klassenkampfs“ (später: Prokla) mitgegründet und erfolgreich gemacht.
Nach 1989 hat es viele Versuche gegeben, den Marxismus in Katakomben zu treiben. Dass dies bis heute misslang, verdankt sich zu einem großen Teil der intellektuellen und moralischen Ausstrahlung Elmar Altvaters.


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