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Die DDR und das Eichenlaub
  [3 pics] begonnen von FPeregrin am 10.12.2019  | 5 Antworten
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NEUES THEMA10.12.2019, 12:21 Uhr
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FPeregrin

• Die DDR und das Eichenlaub In der ansonsten außerordentlich sehenswerten Ausstellung des Vereins Unentdecktes Land
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findet sich auf Tafel 1 folgender Satz: "Schluss mit Adler, Eichenlaub und alle dem Terz, dafĂŒr kamen Hammer, Zirkel, Ährenkranz."

Und das stimmt nicht! Zur besseren Erkenntnis hĂ€tte ein einfacher Blick etwa auf das 1-Mark-StĂŒck:
JPG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! 1_Mark_DDR_Wertseite.JPG
NEUER BEITRAG10.12.2019, 12:24 Uhr
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FPeregrin

die eine oder andere Kampfgruppen-Fahne:
PNG-Datei • Bild öffnen ...ohne Wasserzeichen: anmelden! 1489px-Flagge_Kampfgruppen_der_Arbeiterklasse.sv...
NEUER BEITRAG10.12.2019, 12:27 Uhr
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FPeregrin

oder das Opernhaus in Leipzig gereicht:
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NEUER BEITRAG10.12.2019, 13:00 Uhr
EDIT: FPeregrin
10.12.2019, 13:02 Uhr
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FPeregrin

Also herausgeflogen aus dem Symbolinventar des ersten und einzigen "echten" demokratischen Nationalstaats auf deutschem Boden ist sehr wohl der Adler, nicht aber das Eichenlaub. Warum ist das so?

Hier reicht Tante Wiki. S.v. Adler (Wappentier) steht u.a.: "Der Adler war als „König der Vögel"], bald auch „König der LĂŒfte“ und Bote der höchsten Götter, schon im Alten Orient das Symbol der Könige, besonders der Achaimeniden, deren Stammvater von einem Adler aufgezogen worden sein soll. Als Sinnbild der Herrschaftsmacht löste der Adler dabei den im Ă€gyptischen und persischen Kulturraum verbreiteten Geier als herrschaftliches Symbol und Wappentier ab. [...] In Europa wurde der Adler als königliches MĂŒnz- und Wappenzeichen durch Alexander den Großen eingefĂŒhrt und ging dann auf die Reiche seiner Diadochen ĂŒber. Octavian brachte ihn aus Ägypten als kaiserliches Wappen nach Rom. [...] Über den Kaiserkult und die Aquila, das mit einem Adler gestaltete Feldzeichen der römischen Legionen, avancierte der Adler zum Zeichen des Imperiums und des Kaisertums (Reichsadler). [...] Vom Mittelalter ĂŒber bis in das 20. Jahrhundert war der Kaiserliche oder Reichsadler das Sinnbild fĂŒr die – aus römischer Tradition ĂŒbernommene – kaiserliche Gewalt."
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FĂŒr eine antifaschistisch-demokratische (Neu-)GrĂŒndung der Nation ergibt sich die Eliminierung dieses imperial-obrigkeitlichen Symbols zwingend von selbst. An dessen Stelle rĂŒckt dann folgerichtig die Symbolik der das neue demokratische Deutschland tragenden Klassen: Arbeiter, Bauern, Intelligenz.

Mit dem Eichenlaub verhĂ€lt es sich bemerkenswert anders. Tante Wiki s.v. Eichenlaub: "Eichenlaub wurde zuerst in der Antike als Symbol der souverĂ€nen Macht und Treue und SoliditĂ€t verwendet.[...] In jĂŒngerer Zeit, besonders seit der Romantik, gilt die Eiche zudem als Symbol der Treue. / Mit der Nationalromantik des 19. Jahrhunderts, mit der Deutschen Revolution 1848/1849 und der ReichsgrĂŒndung 1871, die das GefĂŒhl nationaler Einheit bestĂ€rkten, zog das Eichenlaub in die deutsche Symbolsprache ein. Auf deutschen Programmbildern, Ehrenmalen, KrĂ€nzen, Hoheitszeichen und dergleichen dient Eichenlaub in Ă€hnlicher Form wie Zweige des Lorbeerstrauches bzw. der Lorbeerkranz. Die deutsche Nationalallegorie Germania, eine Personifikation der deutschen Nation, wurde regelmĂ€ĂŸig mit einer Corona aus Eichenlaub abgebildet."
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Ob man die dabei mitlaufende GermanentĂŒmelei nun fĂŒr glĂŒcklich hĂ€lt oder nicht, fĂŒr die Ikongraphie der DDR war das Eichenlaub - anders als der imperiale Adler - ganz offensichtlich symbolischer Bestandteil der demokratischen nationalen Tradition der Befreiungskriege und der 48er Revolution. Und ohne einen symbolischen Vergangenheitsbezug konstituiert sich nun mal keine Nation, ... auch keine auf der Basis einer antifaschistisch-demokratischen UmwĂ€lzung.

Man sehe mir hier meine - sicher schwer ertrĂ€gliche - Oberlehrerei nach! Aber ich halte die Sauberkeit in der Behandlung dieser Frage nicht fĂŒr unwichtig, wenn man verstehen will, a) was eine Nation ĂŒberhaupt konstituiert, b) welchen besonderen Status die DDR in der Geschichte einer - wie auch immer sonst zu bestimmenden - deutschen Nation hat, nĂ€mlich den ihrer erstmaligen faktischen Schaffung im Sinne eines "tĂ€glichen Plebiszits" (Ernest Renan).
NEUER BEITRAG10.12.2019, 16:30 Uhr
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retmarut

Die DDR hat sich ja auch bis Anfang der 1970er als gesamtdeutscher, sozialistischer Staat verstanden, der die Tradition der (frĂŒh-)bĂŒrgerlichen Bewegung und der Arbeiterbewegung Deutschlands fortsetzen wollte. Mitunter wurden auch eher zweifelhafte Momente der deutschen Geschichte in allzu positivem Lichte dargestellt, so der teils bewusste, teils taktische Bezug auf die (nun wirklich nicht progressiven) antinapoleonischen Befreiungskriege und reaktionĂ€re Gestalten wie E. M. Arndt.

Interessant wÀre, ob und in welcher Form sich in der DDR ab den 1970ern, also der gegenseitigen staatsrechtlichen Anerkennung und dem Einzug in die UNO, etwas an dieser nationalen Traditionslinie verschoben hat.

Was man der DDR nicht hochgenug anrechnen kann, ist ihr positiver Bezug auf die 1918er-Revolution und den antifaschistischen Widerstand (Interbrigaden, Widerstandskampf gegen den NS). Dergleichen hat im bĂŒrgerlichen Deutschland nie Platz gefunden, maximal als Randglosse.
NEUER BEITRAG11.12.2019, 15:15 Uhr
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FPeregrin

Die DDR ist sicher das beste, was diesem Scheißland passieren konnte, nicht nur in Hinblick auf die revolutionĂ€ren Traditionen der Arbeiterbewegung, sondern auch in Hinblick auf die Nation selbst, fĂŒr die es - wie Du richtig andeutest - nur sehr magere demokratische Traditionslinien gab; die Antifaschistisch-demokratische UmwĂ€lzung schafft eigentlich erst die Nation - und dies nur auf einem Teilterritorium.

Zu den mageren demokratischen Traditionslinien: Ich zĂ€hle - insbesondere weil wir ja sonst nichts haben - die Befreiungskriege durchaus dazu. Sie sind ganz sicher ambivalent. Neben unbestreitbar antifeudal-demokratischen ZĂŒgen - nicht zuletzt sichtbar im von obrigkeitlicher Seite nicht ganz freiwilligen Übergang zum Volkskrieg - stehen die ebenso unbestreitbar reaktionĂ€ren: ethnischer Franzosenhaß, Antisemitismus, GermanentĂŒmelei - hier brauchte der Faschismus kaum noch etwas dazu dichten. Diese Spaltung antifeudal-demokratischer vs. reaktionĂ€r-rassistischer Tendenzen geht zum Teil durch die Protagonisten selbst hindurch; neben dem von Dir erwĂ€hnten Ernst Moritz Arndt gehören auch - mit unterschiedlichen Gewichtungen Hoffmann von Fallersleben und Friedrich Ludwig Jahn hierher. Problematisch ist diese Gemengelage in jedem Fall. ErklĂ€rlich aber auch: Denn nichts von dem, was (nach Stalin) zu den vier Bedingungen einer Nation gehört, war 1813-15 verwirklicht: Gemeinschaft des Territoriums und der Wirtschaft sowieso nicht, eine Gemeinschaft der psychischen Wesensart hĂ€tte allenfalls in der Erfahrung des Volkskriegs entstehen können - und war dann ja auch wichtiger Bezugspunkt des deutschen Nationalismus -, die Gemeinschaft der Sprache, auf die sich Ernst Moritz Arndt kapriziert
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, war 1913 angesichts der DiversitĂ€t des kontinentalgermanischen Dialektkontinuums und der faktischen Nicht-Durchgesetztheit des hochdeutschen Standards im popularen Alltagsleben eine intellektuelle ChimĂ€re. - Alle Kaputtheit dieser Traditionslinie: Am Eichenlaub wie an Schwarz-Rot-Gold kam die DDR gar nicht vorbei, wenn man ĂŒberhaupt nationale Symbolik gebrauchen wollte, ... und mußte!

Der Nationalbezug der DDR ab den 1970ern: Es ist ja auch andernorts - nicht nur von mir - bestritten worden, daß mit der Brandt'schen Ostpolitik tatsĂ€chlich eine "staatsrechtliche Anerkennung" stattgefunden hat:
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Never the less: Eine gewisse Änderung gab es schon im gegenseitigen Umgang und eine Verschiebung im VerstĂ€ndnis der Nation - zumindest in der DDR. In diese Zeit fĂ€llt dann auch - nach meiner Wahrnehmung - ein zunehmender historischer Bezug auf Preußen: eine Ă€hnlich gruselig gemischte progressiv-reaktionĂ€re Gemengelage wie bei den Befreiungskriegen; ... und zum Teil eben auch personell identisch, insbesondere wenn man an die zentralen Figuren der Entwicklung vom KrĂŒmpersystem zum Volkskrieg denkt: Gerhard von Scharnhorst, August Neidhardt von Gneisenau, Carl von Clausewitz. - WĂ€re mal genauer zu recherchieren und zu analysieren.
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