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70. Republikgeburtstag DDR
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NEUES THEMA05.10.2019, 02:19 Uhr
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juventud87

• 70. Republikgeburtstag DDR Aus der Beilage der #Jungewelt "70 Jahre #DDR":

»Es ging um eine lebendigere sozialistische Demokratie«
Ein GesprĂ€ch mit Ekkehard Lieberam. Über Diskussionen unter Staats- und Rechtswissenschaftlern der DDR, das Demokratiekonzept Walter Ulbrichts und Erlebnisse in Leipzig 1989
Von Arnold Schölzel


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Die Beilage:
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NEUER BEITRAG09.10.2019, 15:05 Uhr
EDIT: arktika
09.10.2019, 15:14 Uhr
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arktika

70. Republikgeburtstag DDR Die "Wahrheit" ĂŒber die DDR erfĂ€hrt man natĂŒrlich viel besser durch den Klassenfeind, hier in einem Bericht von report mĂŒnchen vom 8. Oktober 2019:
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Wie schrieb hingegen der bescheidene und freundliche Genosse aus der DDR, der an der Feier teilgenommen hat und ĂŒber den ich den Link zugeschickt bekam:
Liebe Genossen und Freunde,
ich habe mich dort sauwohl gefĂŒhlt!
Die Alternat. Einheitsfeier des OKV-70. Jahrestag der DDR!
NEUER BEITRAG09.10.2019, 22:17 Uhr
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FPeregrin

... und Querfront-Koth scheißt da schon wieder rum! Wer lĂ€ĂŸt den immer noch rein?
NEUER BEITRAG09.10.2019, 22:27 Uhr
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tolpatchow

Der scheint sich unter dem lagel der Nordkorea-SolidaritÀt da reingeschmuggelt zu haben. Andererseits ist er in den Kreisen eigentlich bekannt, bzw. sollte es sein... Der Kerl ist nicht (nur) Querfront, er ist ein waschechter Neonazi.
NEUER BEITRAG09.10.2019, 22:37 Uhr
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FPeregrin

"Der Kerl ist nicht (nur) Querfront, er ist ein waschechter Neonazi.
"


Sicher ist er das, ... aber hier ist er mal wieder Nazi in aktiver Querfront-Funktion. Man fragt sich doch, wann das denn mal endet!
NEUER BEITRAG18.10.2019, 17:56 Uhr
EDIT: arktika
18.10.2019, 18:14 Uhr
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arktika

70. Republikgeburtstag DDR Der Genosse Egon Krenz hat anlĂ€sslich des 70.Jahrestages der GrĂŒndung der DDR eine tolle Rede gehalten.
WOW!

Nicht das DDR-Erbe,
sondern Nazis und Neonazis sind eine Gefahr fĂŒr Deutschland


(Rede von Egon Krenz auf der Erinnerungsveranstaltung des DDR-Kabinetts Bochum zum 70. Jahrestag der GrĂŒndung der DDR am 12. Oktober 2019 in Berlin )

Liebe Freunde,

lieber Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation,
ĂŒber Ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung freue ich mich besonders. Vierzig Jahre DDR wĂ€ren ohne die Sowjetunion undenkbar gewesen. Übermitteln Sie bitte PrĂ€sident Putin, dass die heute hier Versammelten und mit ihnen Millionen Ostdeutsche nie vergessen, dass 27 Millionen SowjetbĂŒrger ihr Leben auch fĂŒr unsere Freiheit und die Freiheit Europas vom Faschismus gegeben haben.

Liebe Anwesende,
es gibt ein wunderbares Kinderlied, das wohl jeden DDR-BĂŒrger begleitete. Von frĂŒhester Kindheit bis zum Lebensende. Erinnert sei an jene Augenblicke, als der gut in der DDR integrierte Kanadier Perry Friedmann mit seinem Banjo auf der BĂŒhne stand und leise anstimmte: „Kleine weiße Friedenstaube, fliege ĂŒbers Land“, und endete mit der Aufforderung: Kleine weiße Friedenstaube, komm recht bald zurĂŒck“.

Sie kam nicht mehr zurĂŒck, die Friedenstaube. Das Lied ward nur noch selten gesungen seit es die DDR nicht mehr gibt. Und sie mochte wohl auch nicht zurĂŒck kommen in ein deutsches Land, das wieder Kriege fĂŒhrt, erst in Jugoslawien, dann in Afghanistan und in weiteren KampfeinsĂ€tzen mit mehr als 100 gefallenen deutschen Soldaten.

In 40 DDR-Jahren hat nicht ein Soldat der Nationalen Volksarmee fremden Boden zu KampfeinsÀtzen betreten. Undenkbar auch, dass ein Oberst der Nationalen Volksarmee wie jener der Bundeswehr in Afghanistan einen Befehl hÀtte geben können, in dessen Folge allein in einer Nacht mehr als 150 Zivilisten getötet wurden und der dennoch zum General der Bundeswehr befördert wurde.

„Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ Dieser Schwur von Buchenwald war das Fundament, auf dem die Deutsche Demokratische Republik am 7. Oktober 1949 gegrĂŒndet wurde.

Niemand kann die Wahrheit aus der Welt schaffen: Die DDR ist in der langen deutschen Geschichte der einzige Staat, der nie einen Krieg gefĂŒhrt hat. Allein das rechtfertigt, sich ihrer mit grĂ¶ĂŸtem Respekt zu erinnern. Dazu haben wir uns hier und heute verabredet. Auch wenn Soldschreiber das verhindern wollten.

Wir - das sind sehr unterschiedliche Menschen, die sich ihr gelebtes Leben nicht von jenen erklĂ€ren lassen möchten, die schon immer Schwierigkeiten mit der Wahrheit hatten oder die hier nie zu Hause waren – wir erinnern uns nicht als Nostalgiker, auch nicht als „Osttalgiker“, einem Modewort, das nur benutzt wird, um unsere Erinnerung und Besinnung an Werte der DDR zu denunzieren.

Wir sind auch keine Ignoranten, die nicht sehen wollen, dass auch seit 1990 viel geleistet wurde. Wir glorifizieren die DDR nicht. Nein, wir sind wache Zeitgenossen, die Erfahrungen in zwei gesellschaftlichenSystemen haben und dadurch gut vergleichen können, was die DDR wirklich war und was ihr blinde Wut an Schlechtem andichtet.

Unter dem Strich war die DDR nach der Wiederbelebung kapitalistischer VerhĂ€ltnisse in Westdeutschland und dem Aufstehen alter Nazis die einzig vernĂŒnftige Alternative zu einem Deutschland, das fĂŒr zwei Weltkriege und die grausame faschistische Diktatur verantwortlich war.

Zu ihrem GrĂŒndungsmotiv gehörte auch die deutsche Einheit. Es hĂ€tte die DDR nie gegeben, wenn nicht zuvor der Separatstaat Bundesrepublik geschaffen worden wĂ€re. „Dass ein gutes Deutschland blĂŒhe, wie ein andres gutes Land“, hatte sich Bert Brecht gewĂŒnscht. Und Bechers Text „Deutschland, einig Vaterland“ war der beste Gegenentwurf zu „Deutschland, Deutschland ĂŒber alles.“

Dass es damals nicht zu einem einheitlichen Deutschland kam, liegt nicht nur, aber wesentlich an der alten Bundesrepublik. Als ihr Grundgesetz vorbereitet wurde, verkĂŒndete einer seiner VĂ€ter, „alles deutsche Gebiet außerhalb der Bundesrepublik ist als Irredenta“, also als Gebiet unter Fremdherrschaft anzusehen, „deren Heimholung mit allen Mitteln zu betreiben wĂ€re." Und: Wer sich dem nicht unterwerfe, hieß es, sei „als HochverrĂ€ter zu behandeln und zu verfolgen".

Das Szenario also fĂŒr den Umgang des westdeutschen Staates mit den Ostdeutschen stammt schon aus einer Zeit, als die DDR noch gar nicht existierte, als sie all die Untaten, die man ihr heute zuschreibt, noch gar nicht vollbracht haben konnte. Die Geburtsurkunde des Hasses auf die DDR war und bleibt der Antikommunismus, den Thomas Mann schon im vergangenen Jahrhundert eine Grundtorheit genannt hatte.

Es war Konrad Adenauer, der erklĂ€rte: „Was östlich von Werra und Elbe liegt, sind Deutschlands unerlöste Provinzen. Daher heißt die Aufgabe nicht Wiedervereinigung, sondern Befreiung. Das Wort Wiedervereinigung soll endlich verschwinden. Es hat schon zu viel Unheil gebracht. Befreiung ist die Parole.“

Was hĂ€ngte man der DDR nicht alles an? „Russenknechte“ waren wir, „Vollstrecker Stalins Willen in Deutschland“, auch „Zonenheinis“ nannte man uns. FĂŒr Adenauer begann an Elbe und Werra Sibirien. Soviel Unsinn ließ sich dann nicht mehr aufrecht erhalten, als die UNO beide deutsche Staaten als gleichberechtigt anerkannte und 134 LĂ€nder mit der DDR diplomatische Beziehungen aufnahmen.

Da kam es dann schon einmal vor, dass beispielsweise der Vize-Chef der CDU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Volker RĂŒhe, schwĂ€rmte: Ein GesprĂ€ch mit Honecker sei „angenehmer und konstruktiver als ein GesprĂ€ch mit der britischen Regierungschefin“. Oder hochrangige bundesdeutsche Politiker aller Couleur ein Foto mit dem SED GeneralsekretĂ€r als Hilfe fĂŒr ihren Wahlkampf wĂŒnschten. Schließlich war es Helmut Kohl, der Honecker einen „zuverlĂ€ssigen Partner“ nannte und sein Nachfolger Gerhard Schröder sich vom DDR-Staatsratsvorsitzenden regelrecht beeindruckt zeigte. In dieser Zeit schloss man dann auch völkerrechtlich bindende VertrĂ€ge und empfing 1987 gar das DDR Staatsoberhaupt zu einem offiziellen Besuch mit allen diplomatischen Ehren.

Doch dann1990: Man kehrte zurĂŒck zum irren Geschichtsbild der fĂŒnfziger Jahre, das nun immer noch gilt und die politische AtmosphĂ€re vergiftet.

Der Ostbeauftragte der Bundesregierung wiederholte in seinem Regierungsbericht eigentlich nur, was seit 29 Jahren Standard ist: An allem, was in der Bundesrepublik nicht funktioniert, ist die „marode“ DDR Schuld, die angeblich nur Verbrechen und Schulden in die Einheit mitgebracht hĂ€tte.


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NEUER BEITRAG18.10.2019, 18:00 Uhr
EDIT: arktika
18.10.2019, 18:16 Uhr
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arktika

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Dieser Mann war 1989 gerade einmal 13 Jahre alt. Dennoch erinnert er sich noch ganz genau daran, dass die Ostdeutschen das Pech gehabt hĂ€tten, „40 Jahre auf der falschen Seite der Geschichte gestanden“ zu haben. Dieses Nachplappern geistloser Stereotype aus den Jahren des kalten Krieges stimmt nun aber keinesfalls mit den praktischen Erfahrungen sehr, sehr vieler BĂŒrger aus der DDR ĂŒberein. Wenn inzwischen nur 38 Prozent der Ostdeutschen die Vereinigung fĂŒr gelungen halten und 57 Prozent sich gar als „BĂŒrger zweiter Klasse“ fĂŒhlen, mĂŒssten sich doch die Regierenden endlich mal fragen, wo dafĂŒr die Ursachen liegen.

Als Gregor Gysi noch DDR-BĂŒrger war, hat er in jener schicksalhaften Nacht als in der damaligen Volkskammer der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik deklariert wurde, den Abgeordneten zugerufen: « Ich bedauere, dass die Beschlussfassung im Hauruckverfahren ... geschehen ist und keine wĂŒrdige Form ohne Wahlkampftaktik gefunden hat; denn die DDR ... war fĂŒr jeden von uns – mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen – das bisherige Leben. So wie wir alle geworden sind, sind wie hier geworden, und ich bedauere, dass der Einigungsprozess zum Anschluss degradiert ist.»

Dieser grundlegende Mangel macht sich bis heute bemerkbar. Respekt will Angela Merkel laut ihrer Rede zum EinheitsjubilĂ€um jenen entgegenbringen, die «Opfer des SED – Regimes» waren und die gegen das Regime gekĂ€mpft hĂ€tten. Soweit so gut, wenn es sich um tatsĂ€chliche und nicht vermeintliche Opfer handelt. Das bedeutet aber in der Praxis eine weitere Ausgrenzung von Millionen BĂŒrgern, denen die DDR Herzenssache war und die sich fĂŒr ihren Staat ein Leben lang engagierten.

Frau Merkel ist offensichtlich entgangen: DDR-BĂŒrger hatten nicht nur die TrĂŒmmer des Zweiten Weltkrieges beseitigt, StĂ€dte und Dörfer wieder bewohnbar gemacht, wertvolle kulturhistorische Bauten wieder errichtet, sondern auch zahlreiche neue Betriebe, Straßen, Stadtteile und StĂ€dte mit modernen Wohnungen, Schulen, Kinderkrippen und KindergĂ€rten, Ambulatorien, KrankenhĂ€usern Sport- und KulturstĂ€tten geschaffen. Es gab 1945 nichts, aber auch gar nichts, was die DDR hĂ€tte runter wirtschaften können.

Es ist doch ein großer Irrtum, anzunehmen, die DDR sei vierzig Jahre gegen das Volk regiert worden. Es gab Jahre großer Zustimmung - wie beispielsweise beim Volksentscheid 1968 ĂŒber die DDR- Verfassung, die nach grĂŒndlicher Volksausprache von 94,5 % der Bevölkerung bestĂ€tigt wurde. Eine durch Volksentscheid angenommene Verfassung wurde 1990 gesetzwidrig ohne Volksentscheid aufgehoben.

Die Wahrheit ist doch: Es haben sich nicht zwei Staaten vereinigt, sondern der eine hat den anderen ĂŒbernommen und bestimmt die Regeln. DDR-BĂŒrger wurden nie befragt, ob sie das auch wollten. So etwas hat Langzeitfolgen. Was ich da im Zusammenhang mit dem Oktober 1989 in den letzten Tagen in den Medien gelesen, gehört oder gesehen habe, zeigt: Je weiter wir uns zeitlich vom Ende der DDR entfernen, um so mĂ€rchenhafter, wirklichkeitsfremder und boshafter werden die offiziellen AusfĂ€lle gegen sie. Geht es nach den MeinungsfĂŒhrern des PolitikgeschĂ€fts, dann sind die frĂŒheren DDR- BĂŒrger nur noch ein MillionenhĂ€uflein gegĂ€ngelter Kreaturen, eingesperrt hinter einer Mauer mit einer schrottreifen Wirtschaft, umgeben von Mief und Muff und „Spitzeln“ der Staatssicherheit.

Heiner MĂŒller, bestimmt kein unkritischer DDR-BĂŒrger, hat dies sehr frĂŒhzeitig mit seinem Urteil entlarvt: „Der historische Blick auf die DDR“, schreibt er, „ ist von einer moralischen Sichtblende verstellt, die gebraucht wird, um LĂŒcken der eigenen moralischen TotalitĂ€t zu schließen.“

Die Kraft, das Geld und die Ressourcen, die man einsetzt, um die DDR zu denunzieren – eine ganze „Aufarbeitungsindustrie“ ist damit beschĂ€ftigt – wĂ€ren sinnvoller angelegt fĂŒr eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Fremdenhass. Nazis, Neonazis und die Brunnenvergifter in der AfD sind eine Gefahr fĂŒr Deutschland – nicht das Erbe der DDR. Antisemitismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. In der DDR -Verfassung heißt es dazu im Artikel 6: „Militaristische und revanchistische Propaganda in jeder Form, Kriegshetze und Bekundung von Glaubens-, Rassen- und Völkerhass werden als Verbrechen geahndet“.

Es gibt sehr viele GrĂŒnde fĂŒr EnttĂ€uschungen bei nicht wenigen Ostdeutschen. Einer davon ist: So - wie die DDR heute darstellt wird - so war sie einfach nicht. FĂŒr eine große Mehrheit der DDR-BĂŒrger war ihr Staat kein „Unrechtsstaat“. Die aufgewĂ€rmte Debatte darĂŒber ist weiter nichts als eine Ablenkung von den Gebrechen der heutigen Gesellschaft. Wer ĂŒber DDR-Unrecht spricht, braucht sich nicht zu rechtfertigen, warum die Regierenden heute mit den vielen ernsthaften Problem nicht fertig werden, der kann ablenken von Niedriglöhnen, drohender Alters- und Kindesarmut, auch davon, wie rĂŒcksichtslos mit DDR-Biografien umgegangen wird.

Beim Werden und Wachsen der DDR gab es Siege und Niederlagen, Freude und EnttÀuschung - leider auch Opfer. So sehr ich diese bedauere, bleibt doch wahr: Die Geschichte der DDR ist keine Kette von Fehlern oder gar Verbrechen. Sie ist vielmehr die Geschichte eines

- Ausbruchs aus dem ewigen deutschen Kreislauf von Krieg und Krisen, eines
- Aufbruchs fĂŒr eine tatsĂ€chliche Alternative zum Kapitalismus, einer
- Absage an Faschismus und Rassenhass, Antisemitismus und Russenphobie.

Und weil sehr viele DDR-BĂŒrger dem verbunden waren, ist die Degradierung der DDR zu einem „Unrechtsstaat“ in vielerlei Hinsicht auch eine Beleidigung derer, die sich zur DDR bekannten. Die DDR wollte nie sein wie die alte Bundesrepublik. Es ist daher auch dumm, sie nach den MaßstĂ€ben der Bundesrepublik zu bewerten.

Vor zehn Jahren hielt BundesprĂ€sident Köhler auf einer Veranstaltung zum 9. Oktober 1989 die Rede, in der er unter anderem ausfĂŒhrte: «... Vor der Stadt standen Panzer, die Bezirkspolizei hatte Anweisung, auf Befehl ohne RĂŒcksicht zu schießen. Die Herzchirurgen der Karl-Marx-UniversitĂ€t wurden in der Behandlung von Schusswunden unterwiesen, und in der Leipziger Stadthalle wurden Blutplasma und LeichensĂ€cke bereitgelegt».

Wie gruselig, wie furchteinflĂ¶ĂŸend und welch ein Zeichen von Unmenschlichkeit der DDR!
Die Sache hat nur den Haken: So etwas hat es nie gegeben. Fritz Streletz, der langjĂ€hrige SekretĂ€r des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, und ich haben den BundesprĂ€sidenten in Vorbereitung seiner Rede zum 30. Jahrestag der Leipziger Ereignisse in einem Brief gebeten, diese Unwahrheit richtig zu stellen. Aus eigenem Wissen und auf der Grundlage von geltenden BeschlĂŒssen und Befehlen teilten wir mit: «In oder vor der Stadt gab es keine Panzer, auch existierte zu keiner Zeit ein Befehl zum Schießen. Weder wurden Herzchirurgen zur Behandlung von Schusswaffen eingewiesen noch LeichensĂ€cke bereitgelegt.»

Leider nutzte der BundesprĂ€sident die Gelegenheit nicht, die immer noch verbreitete LĂŒge aus der Welt zu schaffen. An einer Stelle seiner Rede sagte er, die Geschichte wĂ€re anders verlaufen, hĂ€tte nicht Gorbatschow die SED - FĂŒhrung zur ZurĂŒckhaltung gemahnt. Es wĂ€re gut gewesen, der Herr BundesprĂ€sident hĂ€tte die Quelle fĂŒr diese Behauptung benannt. Aus eigenem Wissen kann ich nĂ€mlich sagen: Eine solche Mahnung hat es nie gegeben. Sie war auch nicht notwendig. Selbst Gorbatschow schreibt in seinen «Erinnerungen», dass die DDR-FĂŒhrung Â«ĂŒber hinreichend Vernunft und Mut verfĂŒgte, um keinen Versuch zu unternehmen, die Unzufriedenheit der Bevölkerung in Blut zu ersticken.»


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NEUER BEITRAG18.10.2019, 18:03 Uhr
EDIT: arktika
18.10.2019, 22:32 Uhr
Nutzer / in
arktika

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Eine Mahnung Gorbatschows gab es am 10. November 1989. Sie war nicht an die DDR, sondern an Bundeskanzler Kohl gerichtet, alle nationalistischen Töne zu unterlassen, «ErklĂ€rungen aus der BRD, die vor diesem politischen und psychologischen Hintergrund abgegeben werden, die unter Losungen der Unversöhnlichkeit gegenĂŒber der realen Existenz zweiter deutscher Staaten Emotionen und Leidenschaften anheizen sollen, können kein anderes Ziel verfolgen, als die Lage in der DDR zu destabilisieren und die sich dort entwickelnden Prozesse der Demokratisierung und Erneuerung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu untergraben“. Es ist irre, die DDR nur von ihrem Ende her zu beurteilen. Es ist zudem eine GeschichtsfĂ€lschung, so zu tun, als wĂ€ren die Leute im Herbst 89 schon fĂŒr die Einheit Deutschlands auf die Straße gegangen.

Im Aufruf der Leipziger Sechs unter Leitung von Generalmusikdirektor Masur, der interessanter Weise kaum noch erwĂ€hnt wird, lautet der Kernsatz: „Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch ĂŒber die WeiterfĂŒhrung des Sozialismus in unserem Land“.

Einer, der kĂŒrzlich fĂŒr seinen Beitrag zur deutschen Einheit vom BundesprĂ€sidenten ausgezeichnet wurde, Pfarrer Eppelmann, schrieb mir noch am 24. Oktober 1989 in einem persönlichen Brief, den auch Pfarrer Schorlemmer unterzeichnet hatte – Zitat - : „Uns geht es um die Entwicklung von Demokratie und Sozialismus in unserem Land.“

Ja, es gab natĂŒrlich auch die anderen, die sich nicht wohlfĂŒhlten in der DDR, die leider weg gingen oder sich selbst aus der Gesellschaft ausschlossen. Oder jene, die angeblich schon immer wussten, dass es nichts werden könne mit dem Sozialismus auf deutschem Boden. Oder auch jene, die damals besonders laut „Hurra“ riefen und nun mit Übereifer die vermeintlichen VorzĂŒge der neue Macht beschreiben.

Ihnen und vor allen den Medien, auch dem BundesprĂ€sidenten, mĂŒsste bei etwas mehr Realismus doch klar sein: Sie können nicht fĂŒr alle Ostdeutschen sprechen. Wer sich fĂŒr die DDR engagierte, tat dies doch in der Überzeugung, dem Guten in Deutschland zu dienen, hat seinem Staat viel von seiner Lebenskraft gegeben und hat ein Recht, dafĂŒr auch in der Bundesrepublik respektiert zu werden.

Wir haben 1989 eine Niederlage erlitten, eine bittere, die schmerzt – das ist wohl wahr. Aber wir sind nicht aus der Geschichte ausgestiegen. So wie sie heute ist, diese Welt, wird sie nicht bleiben. Der Kapitalismus wird nicht das letzte Wort der Geschichte sein.

Und dann werden wir sehen, wer am Ende auf der richtigen Seite steht. Wir werden es wahrscheinlich nicht mehr erleben, aber spĂ€testen seit Thomas MĂŒnzer gilt: Die Enkel fechten‘s besser aus. Diesen historischen Optimismus möchte ich mir gerne erhalten. Auch deshalb, weil es da noch weit im Osten ein Land gibt, das gerade den 70. Jahrestag seiner Volksrepublik gefeiert hat.

UnabhĂ€ngig davon ist es aktueller denn je, endlich die Lebensleistungen der DDR-BĂŒrger anzuerkennen, gleichen Lohn fĂŒr gleiche Arbeit zu zahlen, gleiche Renten fĂŒr gleiche Lebensleistungen zu geben, die Strafrenten abzuschaffen und fĂŒr alle Kinder und Jugendlichen Chancengleichheit zu schaffen. Der Artikel Eins des Grundgesetzes – die WĂŒrde des Menschen ist unantastbar – muss fĂŒr alle Deutschen gelten, auch fĂŒr diejenigen, die fĂŒr die DDR arbeiteten, einschließlich der Mitarbeiter der Sicherheitsorgane. Ohne dies wird es noch Jahrzehnte dauern, bis die deutsche Einheit vollendet wird.

Wir sind nicht die ewig Gestrigen, fĂŒr die man uns hĂ€lt. Wir sind eher die ewig Morgigen. Wir möchten, dass unsere Kinder, Enkel und Urenkel auf einem gesunden Planeten eine friedliche Zukunft haben. Deshalb gehen wir mit dem DDR - Erbe durchaus selbstkritisch um, aber vor allem selbstbewusst und nicht mit gebeugtem RĂŒcken.

Gerade deswegen fragen wir uns auch, was die DDR geschichtlich auf deutschem Boden einmalig macht.

Als in den Nachkriegsjahren im Westen wieder alte Nazis Lehrer, Juristen oder Beamte sein durften, fand im Osten eine antifaschistisch - demokratische UmwĂ€lzung statt, die 1949 die DDR zum antifaschistischen deutschen Staat werden ließ.
In Vorbereitung darauf wurden 7136 Großgrundbesitzer und 4142 Nazi- und Kriegsverbrecher entschĂ€digungslos enteignet. 520 000 ehemalige Nazis wurden aus öffentlichen Ämtern entfernt. Am 30. Juni 1946 stimmten mehr als 72,00 % der BĂŒrger Sachsens in einem Volksentscheid fĂŒr die Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher ab.

- In Ostdeutschland kam Junkerland tatsÀchlich in Bauernhand;
- Kein Nazi durfte Lehrer sein.
- In Schnellverfahren wurden 43 000 Frauen und MĂ€nner zu Neulehrern ausgebildet, die zwar manchmal – wie es damals hieß - nicht genau wussten, ob man Blume mit oder ohne „h“ schreibt - dafĂŒr aber Mut hatten, dem Ruf eines FDJ-Liedes zu folgen:
„Um uns selber mĂŒssen wir uns selber kĂŒmmern,
und heraus gegen uns, wer sich traut“.
- Nazis durften kein Recht sprechen, Volksrichter wurden gewÀhlt,
- FakultĂ€ten entstanden, die dafĂŒr sorgten, dass Arbeiter und Bauern auf die Hochschulen kamen. Schon 1952 waren ĂŒber die HĂ€lfte der Studenten Kinder von Arbeitern und Bauern. So etwas hatte es in Deutschland zuvor nie gegeben und es gibt es auch nach dem Ende der DDR nicht mehr.

Das Kriminelle an diesem Fakt ist:
40 Jahre nach GrĂŒndung der Arbeiter- und BauernfakultĂ€ten wurden viele ihrer Absolventen, die inzwischen in der DDR hervorragende Wissenschaftler, Ingenieure, Mediziner, Juristen, Lehrer und anderes geworden waren, nicht selten gegen zweit- und drittklassige aus dem Westen ausgetauscht. Wer kritisiert, dass heutzutage so wenig Ostdeutsche in Ostdeutschland etwas zu sagen haben, der darf nicht vergessen, was 1990 mit der ostdeutschen Elite gemacht wurde. Allerdings ein Begriff, den wir in der DDR kaum gebrauchten, weil wir die Gesellschaft nicht in Elite und gemeines Volk einteilten.

Es ist zu billig zu sagen, die Ostdeutschen hĂ€tten den Elitenaustausch gewollt. Ja, manche, die meinten, sie seien zu kurz gekommen, schon. Ich erinnere mich aber an ein Urteil eines nicht unbekannten westdeutschen Wissenschaftlers. Die DDR habe »fast ein halbes Jahrhundert die Menschen verzwergt, ihre Erziehung, ihre Ausbildung verhunzt«, schrieb ein Arnulf Baring 1991. Und weiter: »Ob sich heute dort einer Jurist nennt oder Ökonom, PĂ€dagoge, Soziologe, selbst Arzt oder Ingenieur, das ist völlig egal: Sein Wissen ist auf weite Strecken unbrauchbar [...] Wir können den politisch und charakterlich Belasteten ihre SĂŒnden vergeben, alles verzeihen und vergessen. Es wird nichts nutzen; denn viele Menschen sind wegen ihrer fehlenden Fachkenntnisse nicht weiterverwendbar. Sie haben einfach nichts gelernt, was sie in eine freie Marktwirtschaft einbringen können,«

Meines Wissens hat niemand aus der Bundesregierung solcher Dummheit widersprochen. Wie auch dem Slogan nicht „Leben wie bei Kohl und arbeiten wie bei Honecker“, was die Ostdeutschen quasi zu Schmarotzern erklĂ€rte oder dem Urteil, Ursache fĂŒr rechtes Gedankengut im Osten sei das „Zwangstopfen“ in den Kinderkrippen der DDR. Nicht vergessen auch die Kampagne gegen die Roten Socken, in dessen Folge nicht wenige DDR – BĂŒrger durch Selbstmord aus dem Leben schieden. Obwohl dies nicht wenige waren, gibt es darĂŒber in der Bundesrepublik nicht einmal eine Statistik.

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NEUER BEITRAG18.10.2019, 18:06 Uhr
EDIT: arktika
18.10.2019, 18:23 Uhr
Nutzer / in
arktika

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Man kann sich bei diesen Verleumdungen nicht darauf zurĂŒckziehen, dass es sich um freie private MeinungsĂ€ußerungen handle. Was hatte doch Justizminister Kinkel am 23. September 1991 auf dem 15. Deutschen Richtertag in Köln gesagt?

Ich zitiere: »Sie, meine Damen und Herren, haben als Richter und StaatsanwĂ€lte ... eine ganz besondere Aufgabe ...: mit dem fertigzuwerden, was uns das vierzigjĂ€hrige Unrechtsregime in der frĂŒheren DDR hinterlassen hat. ... Es muss gelingen, das SED-System zu delegitimieren, das bis zum bitteren Ende seine Rechtfertigung aus antifaschistischer Gesinnung, angeblich höheren Werten und behaupteter absoluter HumanitĂ€t hergeleitet hat ...»

Was bedeutete das?
Die Deindustrialisierung der DDR ging einher mit tiefen KrĂ€nkungen von DDR-BĂŒrgern. Solche KrĂ€nkungen lassen sich schwer aus dem GedĂ€chtnis streichen, auch an der Wahlurne nicht.

Herr Gauck, der oft von sich nur in der dritten Person spricht, rĂŒhmte die Auswechselung der Eliten gar mit den Worten: »Wir konnten nicht zulassen, dass die sozialistischen Globkes in ihren Ämtern und Positionen in Staat und Gesellschaft blieben«. Dies war eine empörende Gleichsetzung von Tausenden entlassenen Lehrern und Wissenschaftlern, Juristen und Angestellten der DDR mit dem Mitautor des Kommentars zu den NĂŒrnberger Rassegesetzen. Schlimm genug, dass dieser Mann in der Bundesrepublik zum wichtigsten Politiker hinter Konrad Adenauer aufstieg. Wie weit aber muss jemand von geschichtlicher Wahrheit und AnstĂ€ndigkeit entfernt sein, der Globke heranzieht, um zu begrĂŒnden, warum 1990 die Eliten der DDR ausgetauscht wurden?

Nach vorliegenden Untersuchungen wechselten die Nazis 1933 elf Prozent der Eliten des Deutschen Reiches aus. In Westdeutschland wurden 1945 lediglich dreizehn Prozent der Nazikader entfernt. Nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik schickte die neue Herrschaft 85 Prozent der DDR-Eliten ins berufliche und damit nicht selten auch ins soziale Aus.

Als Herr Gauck zum BundesprÀsidenten gewÀhlt wurde, bekannte e
schon im zweiten Satz seiner Rede: „Wir ..., die nach 56-jĂ€hriger Herrschaft von Diktatoren endlich BĂŒrger sein durften. ... “

Gauck wirft 12 Jahre Hitler – Barbarei, 4 Jahre sowjetisch besetzte Zone und 40 DDR-Jahre in einen Topf. Faktisch werden die Ostdeutschen zu Menschen erniedrigt, die 1945 nur von braun zu rot gewechselt sind und kritiklos Diktatoren folgten. Dabei wird jede antifaschistische Gesinnung außer Acht gelassen.

Jedes Gleichheitszeichen zwischen dem Nazireich und der DDR verbietet sich schon angesichts von Auschwitz von selbst, angesichts des Blutzolls, den unter allen Parteien Kommunisten und Sozialdemokraten am höchsten entrichtet haben, angesichts von mehr als 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkrieges.

Man bezeichnet hierzulande den deutschen Faschismus ja bis heute irrefĂŒhrend und verharmlosend als Nationalsozialismus. Dabei sollte inzwischen jeder einigermaßen gebildete Mensch wissen, dass der weder national noch sozialistisch war, sondern einmalig verbrecherisch und kapitalistisch.

Die schrittweise und durchaus widersprĂŒchliche Überwindung der Naziideologie war eine der grĂ¶ĂŸten Leistungen der DDR, die wir uns von niemandem kleinreden lassen sollten.

Die DDR war die deutsche Heimstatt des Antifaschismus. Ein Globke, ein Filbinger, ein OberlÀnder oder auch ein Kissinger hÀtten in der DDR nie eine Chance auf ein Amt gehabt.

Ich habe mir oft die Frage gestellt:
Warum eigentlich gingen Geistesschaffende und KĂŒnstler wie Bert Brecht, Anna Seghers, Arnold Zweig, Johannes R. Becher, Stefan Hermlin, Friedrich Wolf, Max Lingner, Lea Grundig, Theo Balden, Wieland Herzfelde, Helene Weigel, Hanns Eisler, Bodo Uhse, Erich Weinert, Ernst Busch, Ludwig Renn, Wolfgang Langhoff, Eduard von Winterstein, Hedda Zinner, Gustav von Wangenheim und viele andere nicht nach Westdeutschland, sondern kamen in die Ostzone bzw. spĂ€ter in die DDR?

Haben sie sich nicht gerade deshalb fĂŒr die DDR entschieden, weil sie hier die Möglichkeit sahen, Krieg und Faschismus endgĂŒltig aus dem Leben der Menschen zu verbannen?

Brecht hat sich dazu unmissverstĂ€ndlich ausgedrĂŒckt: „Ich habe keine Meinung, weil ich hier bin“, sagte er, „sondern ich bin hier, weil ich eine Meinung habe.“

Einzigartig an der DDR war auch: Ein Drittel Deutschlands war ĂŒber 40 Jahre dem Zugriff des deutschen Kapitals entzogen. Das ist aus der Sicht unserer politischen Gegner die eigentliche SĂŒnde der DDR, die niemals vergeben wird.

Nie mehr Bereicherung des einen durch die Arbeit des anderen – das war Verfassungsgrundsatz in der DDR. Niemandem war erlaubt, sich an der Arbeit des anderen zu bereichern. Der Mensch war nicht mehr des Menschen Wolf. Er war kein Marktfaktor, den man wie eine Schachfigur hin und her schieben konnte. Nicht der Ellenbogen regierte, nicht der Egoismus, nicht das Geld, sondern schrittweise, wenn auch durchaus widerspruchsvoll, das menschliche Miteinander.

Vor einigen Tagen saß ich in einem CaffĂš, ein Mann vom Nebentisch reichte mir eine Serviette, die an meinem Tisch fehlte. Ich sagte: „O, das ist aber aufmerksam“. „Ja“, antwortete mein GegenĂŒber, „die Aufmerksamkeit fĂŒreinander, das Miteinander, das wir zu DDR – Zeiten kannten, ist verloren gegangen. Das Menschliche ist weg, seit es die DDR nicht mehr gibt“.

Das hat mich stark aufgewĂŒhlt - wie auch ein Brief, den mir ein 56 - jĂ€hriger Mann schrieb, der 1990 eine Firma gegrĂŒndet hatte und mir nun auf zwei Briefseiten beschrieb, wie gut es ihm geht in der neuen Bundesrepublik. „Es scheint alles Besten“, endete er sein Schreiben, „und doch bleibt tief im Herzen immer noch der Wunsch nach einer gerechten, friedlichen und vernĂŒnftigen Welt.“

Seit 1990 heißt es: „Aufbau Ost“. Sicher, es gab manches, was in der DDR im Argen lag. Wir investierten zu wenig im produktiven Bereich, manche Stadtzentren waren aus Mangel an Baumaterial und haltbarer Farbe ziemlich unansehnlich. Unsere WĂŒnsche waren immer grĂ¶ĂŸer als unsere materiellen Möglichkeiten.

Die Ideale und die RealitĂ€ten klafften nicht selten auseinander. Die Bundesrepublik setzte ihre OstbrĂŒder und Ostschwestern Jahr fĂŒr Jahr neu auf die Embargoliste, die uns vom wissenschaftlich – technischen Fortschritt in der kapitalistischen Welt ausschließen sollte. Unsere Startbedingungen waren alles andere als gut. Ganz Deutschland hatte den Krieg verloren. Die Ostdeutschen und spĂ€ter die DDR mussten allein dafĂŒr zahlen. Die DDR-Reparationsleistungen waren 25-mal höher als die der alten Bundesrepublik. Umgerechnet zahlte jeder DDR-BĂŒrger 16 124 DM fĂŒr Reparationen, jeder BundesbĂŒrger dagegen gerade mal 126 DM. Die BRD bekam den Marschallplan - die DDR zahlte fĂŒr den Krieg. Das war eine ungleiche Arbeitsteilung. Manchmal denke ich heute: Dass wir es trotzdem 40 Jahre durchgehalten haben, das ist das eigentliche Wunder.


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NEUER BEITRAG18.10.2019, 18:10 Uhr
EDIT: arktika
18.10.2019, 18:28 Uhr
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arktika

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Doch:

Die DDR war 1949 zwar auferstanden aus Ruinen, aber sie war 1990 keine Ruine, kein Pleitestaat mit maroder Wirtschaft. Bis zuletzt wurde jede Rechnung auf Heller und Pfennig bezahlt, auch, wenn die sich unwissend Stellenden und die Verleumder der DDR das immer wieder bestreiten.

Wie eine geheiligte Schrift behandeln sie permanent das vergilbte sogenannte „SchĂŒrer-Papier“, obwohl sie genau wissen, dass Gerhard SchĂŒrer und seine Mitautoren noch im November 1989 öffentlich die falschen Zahlen und ihre IrrtĂŒmer korrigiert hatten.

Es ist schwer zu verstehen, dass sie ihrem eigenen Geldinstitut, der Deutschen Bundesbank, misstrauen. Es gibt einen Bericht von ihr unter dem Titel – Zitat - „Die Zahlungsbilanz der ehemaligen DDR 1975 bis 1989.“ Darin heißt es, dass Ende 1989, „die Nettoverschuldung der DDR betrug 19,9 Milliarden Valutamark ", also umgerechnet in Euro nicht einmal zehn Milliarden. Von Milliarden Euro geht kein Staat bankrott.

Indem man behauptet, die DDR sei bankrott gewesen, kann man verdecken, dass sich der wirkliche Kollaps der DDR-Industrie erst nach dem Anschluss der DDR an die BRD ereignete: Nach dem 1. Weltkrieg wurde gegenĂŒber dem Vorkriegstand von 1913 noch 57% produziert. Nach dem 2. Weltkrieg 1946 im VerhĂ€ltnis zum Vorkriegstand von 1938 immerhin noch 42%, 1992 auf dem Höhepunkt der Privatisierung des Volkseigentums gegenĂŒber dem vorletzten Jahr der DDR nur noch 31 Prozent.

Das wirkliche Problem war 1990 nicht eine vermeintlich marode Wirtschaft der DDR. Wir hatten sicher auch Marodes, aber wir hatten auch viel Modernes. Wir hatten auch Kombinate, die Weltniveau produzierten. Wer Letztes bestreitet, behauptet damit ja auch, dass uns bundesdeutsche Konzerne nur Schrott geliefert hÀtten, denn 40 % unserer Industrieanlagenimporte kamen aus der alten Bundesrepublik.

Der Kern des Problems 1990 war ein ganz anderer: Alles in der Wirtschaft gab es nun zweimal in Deutschland. Einmal musste sterben. Nicht nur, was eventuell marode war, sondern auch das Moderne. Das Sterben hat die Treuhand organisiert, aber nicht auf eigenen Antrieb. Es war politisch gewollt. Das Volkseigentum der DDR wurde verscherbelt. 85% davon erhielten EigentĂŒmer aus dem Westen, 10% ging ins Ausland und knappe 5 % blieben im Osten.

Die Bundesrepublik ĂŒbernahm von der DDR etwa 8.000 Betriebe, 20 Milliarden Quadratmeter Agrarflache, 25 Milliarden Quadratmeter Immobilien, Forsten, Seen, 40.000 GeschĂ€fte und Gaststatten, 615 Polikliniken, 340 Betriebsambulatorien, 5.500 Gemeindeschwesternstationen, Hotels, Ferienheime, das betrĂ€chtliche Auslandsvermögen der DDR, Patente, Kulturguter, geistiges Eigentum und manches mehr. Zum Beispiel den Berliner Fernsehturm, der nur deshalb nicht abgerissen wurde, weil das bautechnisch nicht ging, aber inzwischen das Wahrzeichen Berlins ist. Und wo feiert die bundesdeutsche Elite heute ihre vermeintlichen Siege? Im Schauspielhaus Berlin, in der Semperoper Dresden und im Gewandhaus Leipzig – alles vom «maroden DDR – Staat» bezahlt.

Die DDR hinterließ der Bundesrepublik keine Erblast in Höhe von 400 Milliarden DM – wie behauptet wird, sondern ein Volksvermögen von 1,74 Billionen Mark an Grundmitteln und 1,25 Billionen Mark im produktiven Bereich - ohne den Wert des Bodens und den Besitz von Immobilien im Ausland gerechnet. Angesichts dieser Fakten mutet es wie ein schlechter Witz an, die Treuhand und ihre Anleiter in der Bundesregierung von der Schuld fĂŒr die Deindustrialisierung der DDR freizusprechen.

In den Berichten zum diesjĂ€hrigen Tag der deutschen Einheit wird davon gesprochen, dass es gut sei – Zitat - „..., dass wir uns mit unserer jĂŒngsten deutschen Geschichte auseinandersetzen“

Das ist jedoch nicht wahr. AllgegenwÀrtig ist nur die DDR- Geschichte. Es wird aber höchste Zeit, sich im Kontext damit auch kritisch mit der Entstehung und Existenz der alten Bundesrepublik und ihrer Schuld an der deutschen Spaltung auseinanderzusetzen.

Die Jahre zwischen 1949 und 1990 waren doch nicht nur das „Wirtschaftswunder“ und das „Wunder von Bern“, nicht nur die DM und das eigene Auto, nicht nur die Italienreise und all die anderen Erfolgsgeschichten, die uns dieser Tage wieder aufgetischt werden.

Verdeckt wird, dass beispielsweise die separate WÀhrungsreform 1948 das eigentliche Datum der deutschen Spaltung ist, wodurch die spÀtere DDR aus dem internationalen Wirtschaftsverkehr praktisch ausgeschlossen wurde.

Es gab doch in der alten Bundesrepublik nicht nur gewaltige Streiks, ĂŒber die man heute kaum noch spricht, sondern auch tiefe gesellschaftliche Konflikte. Die KPD, die FDJ und andere fortschrittliche Organisationen wurden verboten, ihre Mitglieder gejagt, verurteilt und inhaftiert.

Am 11. Mai 1952 wurde das FDJ – Mitglied Philipp MĂŒller auf einer Friedenskundgebung in Essen und am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg in Westberlin von der Polizei erschossen. Wie ein roter Faden zieht sich doch die Verfolgung Andersdenkender durch die ersten Jahre der Bundesrepublik. Notstandsgesetze wurden beschlossen und ein „Radikalenerlass“.

Wenn es also darum geht, auf welcher Seite der Geschichte jemand gestanden hat, habe ich als DDR-BĂŒrger durchaus viele Fragen an die alte Bundesrepublik:

- UnterstĂŒtzte sie nicht die schmutzigen Kriege, die Frankreich gegen Algerien und die USA in Indochina fĂŒhrten, die Vietnam in die „Steinzeit zurĂŒck bomben“ wollten?
- Machte sie nicht immer gute GeschĂ€fte mit dem Apartheid – Regime in SĂŒdafrika, das Nelson Mandela verbannt hatte?
- Standen sie nicht immer an der Seite jener, die das Abenteuer in der Schweinebucht gegen das freiheitsliebende kubanische Volk oder auf Grenada unterstĂŒtzten?
- Stand sie nicht immer an vorderster Stelle bei Waffenexporten in Krisenregionen?
- Hatte sie nicht exzellente Beziehungen zu den faschistischen Regimes in Spanien und Portugal?
- Gab es nicht ein heimliches EinverstÀndnis mit den Putschisten in Griechenland 1967 und in Chile 1973?

Die DDR und die BRD standen ĂŒber 40 Jahre in einem BĂŒrgerkrieg, in einem kalten zwar, immer am Rande einer atomaren Katstrophe.

Als ich im FrĂŒhjahr 1990 noch unter dem frischen Eindruck der Herbstereignisse89 stand, habe ich mir viele Fragen gestellt:

- Werden nun etwa neue Mauern errichtet?

- Mauern gegenĂŒber linken Andersdenkenden?

- Mauern gegenĂŒber jenen Werten, die aus der DDR in den Prozess der deutschen Vereinigung eingebracht werden könnten?

- Mauern zwischen den Deutschen und ihren Nachbarvölkern, dessen SicherheitsbedĂŒrfnisse zu respektieren sind?

- Mauern zwischen Deutschland und dem sozialistischen Kuba, das von den sozialistischen LĂ€ndern Europas allein gelassen wurde und sich seither mutig wehrt?

- Mauern zwischen der NATO und der damals noch existierenden Sowjetunion?


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NEUER BEITRAG18.10.2019, 18:10 Uhr
EDIT: arktika
18.10.2019, 18:35 Uhr
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arktika

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Wenn ich mir diese Fragen nun fast dreißig Jahren spĂ€ter wieder beantworte, komme ich zu keiner anderen Erkenntnis als jener, dass die neuen Mauern dazu gefĂŒhrt haben, das die Welt von heute so durcheinander geraten ist wie sie jetzt ist. Die Welt von heute ist ohne Sowjetunion und ohne die DDR weder gerechter noch friedlicher geworden.

Heute geht es um alles – um Sein oder Nichtsein, Krieg oder Frieden. Dass man in dieser Zeit immer noch das Feindbild DDR braucht, zeigt, dass die herrschenden Politiker keine wirkliche Vorstellung von der deutschen Einheit haben.

Man kann die deutsche Einheit vielleicht herbeimoralisieren, indem man die RealitÀten nicht zur Kenntnis nimmt.

Man kann sie – wie sich zeigt – schlecht herbeifinanzieren, weil es außer Geld auch noch andere Werte gibt.

Herbeikriminalisieren, indem man die DDR als Irrweg denunziert, kann man die Einheit auf keinen Fall. Mehr Respekt fĂŒr alle frĂŒheren DDR-BĂŒrger wird nicht gelingen, solange man den Staat, auf dessen Boden diese Leistungen möglich wurden, verteufelt.

Die Mauer in Berlin ist weg. Sie wurde nach Osten verschoben, besteht nicht mehr zwischen NATO und Warschauer Vertrag, sondern zwischen der NATO und Russland.

Sie ist folglich dort, wo sie im Prinzip an jenem 22. Juni 1941 verlief, als die Sowjetunion ĂŒberfallen wurde. Am Vorabend des diesjĂ€hrigen Tages der Einheit kam eine neue, eine sehr beunruhigende Meldung: „Die Nato plant fĂŒr 2020 ein Manöver mit ĂŒber 20.000 Soldaten. ... geprobt werden soll dabei eine schnelle Verlegung von Truppen nach Polen und ins Baltikum. Das heißt wieder, ran an Russlands Grenzen. Dass Deutschland dabei eine zentrale Rolle einnehmen soll, ist fĂŒr mich eine geschichtsvergessene Schande.

Das ist nun wahrlich nicht die Wende, die 1989 auf den Straßen der DDR gefordert wurde. Dreißig Jahre nach der Öffnung der GrenzĂŒbergĂ€nge in Berlin sollte es heißen: Ohne Russland kann es keine europĂ€ische Friedensordnung geben. Aus der deutschen Politik muss die Russophobie verbannt werden. Deutsche Politiker mĂŒssen gegenĂŒber Russland einen anderen Ton anschlagen, der Freundschaft und Zusammenarbeit, nicht aber „Sanktionen“ und „Bestrafungen“ fördert.

Wie Euch wahrscheinlich aufgefallen ist, spreche ich nicht vom Scheitern des Sozialismus, sondern von einer bitteren Niederlage. Ist das nur eine formale Frage? FĂŒr mich nicht. Scheitern hat etwas EndgĂŒltiges an sich, Niederlage ist eher etwas Zeitweiliges. Wenn der Sozialismus gescheitet wĂ€re, könnte das ja auch bedeuten, dass er auch in Zukunft keine Chance mehr hĂ€tte und der Kapitalismus doch das Ende der Geschichte wĂ€re. China beweist schon heute das Gegenteil.

Der erste Anlauf fĂŒr eine ausbeutungsfreie Gesellschaft, die Pariser Kommune, ĂŒberdauerte 72 Tage, der zweite Anlauf, die Oktoberrevolution, hielt 72 Jahre und die DDR 40 Jahre. Der dritte Anlauf wird auch in Europa kommen. Wann und wie – das weiß heute niemand. Die Erfahrungen der DDR – die positiven wie negativen – werden dabei auf jeden Fall von Bedeutung sein.

Und deshalb sage ich: Wehren wir uns auch weiterhin dagegen, unser sinnvoll gelebtes Leben in den Schmutz ziehen zu lassen, tun wir auch weiterhin das uns Mögliche, damit nie wieder – wie es in der DDR – Nationalhymne heißt - eine Mutter ihren Sohn beweint



Und als pdf:
• PDF-Datei DDR+Jubileum+Krenzrede.pdf
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NEUER BEITRAG05.11.2019, 16:38 Uhr
EDIT: arktika
05.11.2019, 16:39 Uhr
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arktika

Die DDR war anders Die DDR war anders, so der Titel des Aufrufs von Unentdecktes Land zur Kundgebung am 9. November in Berlin. Sehr guter Text!

Frieden statt Bundeswehr – Druschba statt Nazis – Leben statt Überleben:
Die DDR war anders


Keine Antwort auf das Desaster ist auch eine

Ob Einheits- oder Grenzöffnungstag, man bettelt uns zu Tisch bei Bratwurst und mĂ€ĂŸigem Kulturprogramm. Das lĂ€uft, wenn auch sonst nix lĂ€uft, und zwar regelmĂ€ĂŸig zu jedem dieser „glĂŒcklichsten Tage der Deutschen“. Doch die Jubelarien sind auch nicht das, was sie mal waren: Keine Rede mehr versucht der entvölkerten, deindustrialisierten Steppe Ostdeutschland noch BlĂŒhendes anzudichten. Da gibt’s noch immer Unterschiede zwischen Ost und West? BrĂŒder, Schwestern, so ist es halt und ganz und gar nicht schön. Sieht die Regierung ein und will ganz Kumpel sein mit den Angeschlossenen und AbgehĂ€ngten – wohl aus Angst, bei ihren Festen am Ende ganz allein zu sein. So schleppt sich der Kaiser von Jahr zu Jahr ĂŒber den Platz, zeigt seine neuen Lumpen. Und hinter den Kulissen und dem Konfettiregen geht es weiter

Der Raubzug Ost geht weiter. Eine Volkswirtschaft und Nachkriegsordnung sind dem Erdboden gleich gemacht und jeder »ehemalige« Sozialismus dort schrill und aufwendig verschrien. Bis zum Kaputtmachen und Palastabreißen ging die Planung, der Rest mag sich scheren und weiter verlieren. Das Rumtata der Staatskapelle auf der BĂŒhne unterm Brandenburger Tor ist die einzige Antwort auf das Desaster.

Ruhe im Glied und Tritt nach unten

Nur, dass es in den Krisengebieten um uns herum noch weit schlimmer ist als hier, hĂ€lt die Leute noch bei mieser Laune, bei der Stange. Wer sich noch fĂŒr Mittelschicht hĂ€lt, weiß die Armut an der HaustĂŒr klopfen. Eine Etage tiefer speist man schon an der Obdachlosentafel, den GeflĂŒchteten steht selbst das nicht zu. Denn es gilt: besser ich als die Anderen. Die Anderen sind keine BrĂŒder, Schwestern, Kollegen, Menschen mehr, nur noch Konkurrenten, Feinde.

Eine Freiheit wie Stacheldraht

10.000 dieser »fremden Feinde« liegen auf dem Grund des Mittelmeeres, ermordet auch von deutschen SchreibtischtÀtern. Doch Mitleid gibt es nicht im Krieg! Der ist allerorten, die Bundeswehr ein Teil davon, weltweit unterwegs und oft genug schon vorne weg.
Die Auftraggeber dieser Bundeswehr, die einst von Nazis aufgebaut, sind die Hauptkriegstreiber Europas – schon wieder. Das alte Spiel hat nur 40 Jahre pausiert und die Heimatfront wird ausgerĂŒstet – schon wieder. Ein rechter Erdrutsch, den kein Verbot behindert, ergießt sich in die Köpfe und den Bundestag. AfD, CSU & Co. hocken in Talkshows, sind kein Schandfleck am Rechtsstaat, sondern Teil des Systems BRD, das Meinungsfreiheit fĂŒr Faschisten garantiert. Wo sind die BĂŒrgerrechtler auf den Straßen jetzt und dagegen?
Wer in Kinderaugen an den StacheldrahtzĂ€unen der Außengrenzen nur Kinderaugen sieht und keine »fremden Invasoren«, wer sich Völkerfreundschaft bewahrt und Hartz4 nicht fĂŒr ein verdientes Verlierersiegel hĂ€lt, wer auf die Meinungsfreiheit der Faschisten scheißt und Friedenstauben dem Bundesadler vorzieht – der steht als »Gutmensch« im Spott, als »Krawallchaot« in den Schlagzeilen und als links unter Beobachtung – der steht allein!

Die Wahrheit bleibt konkret

Klare Kante gegen Armut, Krieg und Faschismus ist hier so out wie die DDR. Denn Völkerfreundschaft, Druschba, war dort Staatsdoktrin und trotzdem vielen eine Lust. Statt einem Grab im Mittelmeer gab es Solibeitrag fĂŒr andere, die nichts haben und fĂŒr ihr Brot noch kĂ€mpfen – das war normal wie das Mittag in der Betriebskantine. Und wer meinte, rassistisch auffallen zu mĂŒssen, bekam sein Mittag hinter Gittern. Nazis waren in der DDR keine Parlamentsfraktion, sondern das Grauen, vor dem selbst noch in jedem Dorf ein Gedenkstein mahnte.
Kein Plakat, keine der langweiligen Volkskammerreden, keine außenpolitische Maßnahme, die nicht das Eine immer aussprach oder, mehr noch, danach handelte: Frieden! Im Kinderlied, im Bild aus Tusche fĂŒr die Hausaufgabe, als Mosaik an jedem zweiten Neubaublock: die weiße Taube, fast schon Wappentier. Das MilitĂ€r war in der Kaserne statt wie die Bundeswehr auf Welttournee.
So war das in der DDR, in der es so vieles nicht gab, wo satt zu Essen, Arbeit und ĂŒberm Kopf ein Dach genauso geklĂ€rt war, wie Kultur fĂŒr jedermann. Wo kein Gedanken ans Überleben, an Miete, Rente, StĂŒtze, Lohn verschwendet werden muss – da lebt man, wird wĂŒrdig alt und macht sich Gedanken. Bei alledem blieb die DDR vieles schuldig. Eine Antwort auf Krieg, Armut und Faschismus jedoch nie. Man muss die DDR nicht mögen, um das zu wissen. Man muss sie aber mĂ€chtig hassen, um es zu leugnen.

Was uns eint

Ihr »Arbeitnehmer« und Arbeitslosen in Ost wie West: 40 Jahre standen wir RĂŒcken an RĂŒcken dicht, dazwischen eine »Mauer«. Seit ihrer Öffnung zahlen wir den Anschluss der DDR in unserer Herren Tasche. Heute ohne diese Grenze, scheint es, braucht das Licht lĂ€nger als ein Jahr von uns zu euch da drĂŒben. Wir teilen keinen Kampf um einen Zustand der mehr ist als Überleben, um Nazis raus und Waffen runter! Deswegen teilen wir gemeinsam stĂ€ndig unsere Niederlagen. Bis jetzt sind sie das einzige, was uns seit 30 Jahren unertrĂ€glich vereint.
Was die DDR verbockte und was sie an Lösungen fĂŒr die Probleme der Menschen aufbot, wirft heute Fragen auf: Frieden statt Bundeswehr? Druschba statt Nazis? Leben statt Überleben? Wie soll es weitergehen, wohin fĂŒhren? Was muss anders werden?

Die DDR war anders


Kundgebung: Die DDR war anders & Ausstellung "Unentdecktes Land"
9. November - 10 Uhr - Lustgarten - Berlin


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arktika

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