EN
       
 
0
unofficial world wide web vanguard
posts in a different language!no entries for your choosen language (english) found. Please select a different system language to show this thread!
NEUES THEMA08.12.2018, 19:40 Uhr
Nutzer / in
mischa

• China in Afrika Hier eine Kritik aus dem b√ľrgerlichen, aber stets lesbaren Standard:


derstandard.at
Chinas vermeintliche Geschenke an Afrika
uten
Seit 15 Jahren investiert China im gro√üen Stil in Afrika, immer mehr L√§nder landen in Pekings Schuldenfalle. Der √Ąrger in Dschibuti und Kenia w√§chst

Dass der dschibutische Geschäftsmann seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, wird schon nach seinem ersten Satz verständlich. "Sie sind mit Drogendealern zu vergleichen", meint der Unternehmer, dessen Familie schon seit drei Generationen in dem afrikanischen Kleinstaat am Golf von Aden lebt. "Sie geben dir so lange alles, was dein Herz begehrt, bis du von ihnen abhängig bist. Und dann wird nach ihrer Pfeife getanzt."

Die Rede ist von den Chinesen, die in Sichtweite der Firma des Unternehmers einen neuen Hafen gebaut haben: Gleich dahinter ist eine riesige, wie eine neuzeitliche Kreuzritterburg wirkende Befestigungsanlage zu sehen. Sie ist der erste milit√§rische St√ľtzpunkt, den die aufstrebende Weltmacht au√üerhalb Chinas errichtet hat: eine strategisch bestens platzierte Festung, die anderen in Dschibuti milit√§risch pr√§senten Weltm√§chten wie den USA, Frankreich oder Japan ziemliches Kopfzerbrechen bereitet.

K√ľrzlich k√ľndigte Dschibutis Regierung au√üerdem ihren Vertrag zum Hafenmanagement mit Dubais DP World: Auch das werden vermutlich bald die Chinesen √ľbernehmen. Sie haben schlie√ülich auch die √ľber 700 Kilometer lange Eisenbahnlinie von Dschibuti in die √§thiopische Hauptstadt Addis Abeba gebaut und finanziert ‚Äď genau wie die zahlreichen neuen Stra√üen des Kleinstaats, das neue Krankenhaus, das Freihandelszentrum und den Flughafen Bicidley. "Eigentlich alles", sagt der Gesch√§ftsmann.
Chinas Schuldenfalle

Nur ein Teil der chinesischen Zuwendungen sind Geschenke, die man Entwicklungshilfe nennen k√∂nnte: Beim Gro√üteil handelt es sich um Kredite, die zur√ľckzuzahlen sind. Dschibuti ist bereits mit √ľber 1,5 Milliarden US-Dollar bei China verschuldet ‚Äď 88 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts. Erfahrungsgem√§√ü geht ein solches Verh√§ltnis nicht lange gut. Es sei denn, man verpf√§ndet irgendwann sein Familiensilber wie das Management des Hafens. "Genau darauf haben es die Chinesen abgesehen", sagt der dschibutische Gesch√§ftsmann mit finsterer Miene. "Sie wollen unser Land in ihren Griff bekommen."

15 Jahre ist es inzwischen her, dass sich China Afrika zuwandte: Der Handel zwischen dem Kontinent und China explodierte in diesem Zeitraum von zehn auf 170 Milliarden Dollar, rund eine Million Chinesen kamen zum Arbeiten und Gesch√§ftemachen in den hei√üen Erdteil, weit √ľber 10.000 chinesische Firmen sind inzwischen in Afrika aktiv. Die Aufmerksamkeit der aufstrebenden Weltmacht bescherte dem marginalisierten Kontinent einen beachtlichen Aufschwung: Dass Afrika in den vergangenen 15 Jahren das anhaltendste Wirtschaftswachstum nach der Entkolonialisierung erlebte, wird in erster Linie Chinas Interesse zugeschrieben.

Peking pflegt seine enge Beziehung zu dem Kontinent als "Win-win-Verh√§ltnis" zu beschreiben. Doch angesichts des enormen Kapital- und Machtgef√§lles zwischen den beiden ungleichen Partnern sind Experten skeptisch. "Es ist, wie wenn ein Fahrradfahrer Fahrt aufnehmen will, indem er sich an einem startenden Jumbojet festh√§lt", meint Yu-Shan Wu, Politologin an der Johannesburger Witwatersrand-Universit√§t. "Das kann ihn enorm beschleunigen ‚Äď oder ihm den Arm abrei√üen."
Rassistische Zwischenfälle in Kenia

Die gr√∂√üte Gefahr f√ľr die Fahrradfahrer ist zweifellos die Schuldenfalle. Nach Berechnungen der China-Afrika-Forschungsinitiative der Johns-Hopkins-Universit√§t im US-Bundesstaat Maryland stehen Afrikas Staaten bereits mit 130 Milliarden Dollar bei China in der Kreide. Neben Dschibuti drohen sich vor allem Sambia, √Ąthiopien und Kenia den Arm abzurei√üen: Der s√ľdafrikanische Staat Sambia gibt bereits ein F√ľnftel seines Jahresbudgets zur Tilgung seiner Schulden aus.

Unter der Last chinesischer Kredite f√ľr eine von Chinesen gebaute Eisenbahnlinie musste Kenia seinen Mehrwertsteuersatz k√ľrzlich um bis zu f√ľnf Prozent erh√∂hen, was den √Ąrger √ľber die fern√∂stliche Hilfe zum Brodeln brachte. Dass es beim Bau der neuen Eisenbahnlinie zwischen der Hafenstadt Mombasa und der Hauptstadt Nairobi zu zahlreichen rassistischen Zwischenf√§llen gekommen sein soll, hat dem Ansehen der chinesischen Baumeister auch nicht genutzt. √úberall auf dem Kontinent mehren sich die Klagen √ľber die Schattenseite der Bruderhilfe: Von manchen werden die eher distanziert auftretenden Asiaten bereits als neue Kolonialherren betrachtet.

In Sierra Leone sagte der neue Pr√§sident Julius Maada Bio als einer der ersten afrikanischen Staatschefs Nein zu einem von seinem Vorg√§nger gepushten chinesischen Gro√üprojekt: Ein neuer Flughafen sei f√ľr das gerade einmal sieben Millionen Einwohner z√§hlende L√§ndchen nun gewiss nicht n√∂tig. In Ghana beschweren sich heimische Fischer, dass ihnen chinesische Fischdampfer die Fanggr√ľnde leerfegen, und in Mosambik klagt die Bev√∂lkerung √ľber die Zerst√∂rung ihrer Str√§nde durch den Sandabbau chinesischer Firmen.

In Uganda sah sich Pr√§sident Yoweri Museveni nach einer Welle von Einbr√ľchen in chinesische Firmen gezwungen, das Milit√§r zur Hilfe zu rufen, und in Sambia kam es bereits zu Massenprotesten gegen die Arbeitsbedingungen in von Chinesen betriebenen Kupferminen.

Die Stimmung gegen√ľber den asiatischen Br√ľdern droht in zahlreichen afrikanischen Staaten zu kippen. "Die Atmosph√§re ist schlecht", sagt die Kenianerin Elizabeth Horlemann, die als interkulturelle Trainerin arbeitet. "Viele Kenianer meinen, dass ihr Land an die Chinesen ausverkauft wird."
Abhörgeräte in AU-Zentrale eingebaut

Da half die j√ľngste Enth√ľllung nicht, dass die Chinesen beim Bau des Sitzes der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba Abh√∂rger√§te in dem Geb√§ude installierten: Die abgeh√∂rten Gespr√§che wurden offenbar f√ľnf Jahre lang direkt nach Peking durchgest√∂pselt. Der zu erwartende diplomatische Affront blieb aus: Zumindest Afrikas Staats- und Regierungschefs waren mehr daran interessiert, was Peking seinen Br√ľdern auf dem Gebiet der Kommunikationskontrolle so alles anzubieten hat.

Nach Angaben der Washingtoner NGO Freedom House veranstaltet die chinesische Regierung regelm√§√üig Seminare √ľber elektronische √úberwachung und die Zensur des weltweiten Netzes, die stets auf gro√ües Interesse stie√üen. In ihrem Wunsch nach Absicherung ihrer Herrschaft f√ľhlen sich viele afrikanische Pr√§sidenten mit dem m√§chtigen chinesischen Parteif√ľhrer Xi Jinping seelen- und interessenverwandt.

Der Drache speit unterdessen weiter goldene Flammen. Beim afrikanisch-chinesischen Gipfeltreffen im September versprach Parteichef Xi zusätzliche 60 Milliarden Dollar in Form von Krediten und zinslosen Darlehen sowie die Finanzierung chinesischer Exporte. Und keiner der 51 anwesenden afrikanischen Präsidenten sagte "Nein, danke".

"Irgendwann wird es ihnen noch leidtun", sagt der Geschäftsmann in Dschibuti. "Aber dann sind ja schon ihre Nachfolger an der Macht." (Johannes Dieterich, 8.12.2018)
• Hier gibt's was extra: mehr Debatten aus den www.secarts.org-Foren
Eskalation der Widerspr√ľche zwischen VR China un..
1
Auch wenn ich das jetzt nicht als Positionsbestimmung im Sinne meiner (nachträglichen) Fragestellung werten möchte stelle i...more RevLeft 09.08.2020
Laschet zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt
5
Der Rheinländer Laschet kommt aus einer Tradition, in der die CDU so etwas wie eine Art "katholische SPD" ist oder war, also...more FPeregrin NEW 16.01.2021
mischa NEW 16.01.2021
arktika NEW 16.01.2021
Polen: ReaktionärInnen verschärfen Kampf gg Fra..
1
Am 15.11. dazu eine Solierklärung von ver.di: Abtreibungsrecht in Polen: ver.di mit protestierenden Frauen solidarisch ...more arktika 16.11.2020
Newsletter vom 26.7.2020: Umstellung der E-Mail-P..
Liebe Freunde und Nutzer eines @secarts.de- oder @secarts.at-Postfaches: Nach einem Serverumzug m√ľssen wir alle Postf√§c...more AG Technik 26.07.2020
Jaimee
Ulbricht, Honecker und das Ende der SED
Der falsche Mann: Ulbricht, Honecker und das Ende der SED: √úber Heinz Niemanns ¬Ľkleine Geschichte¬ę der ostdeutschen Staats...more Jaimee 17.08.2020
US-Wahl 2020: Prophetische Fähigkeiten der secar..
4
Also ich finde aber auch das wir ganz gut in der Schätzung waren. Neue Umfrage ist aber auch eine gute Idee coataktia4 13.11.2020
FPeregrin 10.11.2020
C CaptKyrbis 09.11.2020