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NEUES THEMA25.05.2023, 18:48 Uhr
EDIT: FPeregrin
25.05.2023, 18:52 Uhr
Nutzer / in
FPeregrin

• Rungholt gefunden? Ich hatte ja immer einen bißchen herablassenden Spaß an der ewigen erfolglosen Rungholt-Suche- und -Spekuliererei aller möglichen berufenen und unberufenen norddeutschen Heimatfreunde. Das Ensemble der Entdeckungen der letzten Zeit legt nahe, daß man tatsĂ€chlich das gefunden hat. was man suchen mußte: eine kirchspielfĂ€hige Hafenstadt. Das große Kirchenfragment bewegt sich in der GrĂ¶ĂŸenordnung der erhaltenen "friesischen Bauerndome" aus etwa derselben Zeit. - wissenschaft.de heute:

Versunkene Kirche im Watt lokalisiert

25. Mai 2023

Verschollen seit ĂŒber 600 Jahren: ArchĂ€ologen haben Spuren der Kirche der sagenumwobenen Friesen-Siedlung Rungholt entdeckt, die im Jahr 1362 von der Nordsee verschlungen wurde. Der eindrucksvolle Sakralbau auf einer Warft bildete das Zentrum einer mittelalterlichen Siedlungslandschaft mit zahlreichen GebĂ€uden und Strukturen, dokumentieren weitere Ergebnisse der archĂ€ologischen Untersuchungen im nordfriesischen Wattenmeer.

Geheimnisvoll, mĂ€rchenhaft und ein bisschen gespenstisch: StĂ€dte, die einst bei katastrophalen Ereignissen untergingen, ĂŒben eine starke Faszination auf Menschen aus. So wurde auch Rungholt zu einem legendĂ€ren Mystery-Ort der norddeutschen Geschichte. Überlieferungen berichten ĂŒber diese angeblich reiche Handelsgemeinde in der nordfriesischen KĂŒstenlandschaft, die bei einer verheerenden Sturmflut im Jahr 1362 in der Nordsee verschwand. Nach dieser sogenannten „Groten ManndrĂ€nke“ wurde das Gebiet sĂŒdlich von Pellworm zum Reich des Wattwurms.

Einblicke in den matschigen Untergrund

Funde von Überresten und historische Nachforschungen haben bereits einige interessante Informationen ĂŒber das verschollene Rungholt erbracht, doch noch immer sind die einstigen Siedlungsstrukturen und die Bedeutung des mittelalterlichen Ortes mysteriös geblieben. Um fĂŒr neue Hinweise zu sorgen, suchen Wissenschaftler mittlerweile auch mithilfe von modernen Methoden der ArchĂ€ologie nach Spuren im Wattenmeer. Über die aktuellen Entdeckungen berichten nun die beteiligten Forschungseinrichtungen in einer gemeinsamen Mitteilung.

„Die Siedlungsreste werden mit unterschiedlichen geophysikalischen Methoden wie magnetischer Gradiometrie, elektromagnetischer Induktion und Seismik lokalisiert und flĂ€chenhaft kartiert“, erklĂ€rt Dennis Wilken von der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t zu Kiel (CAU). Seine Kollegin Hanna Hadler Johannes Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz fĂŒhrt weiter aus: „Auf Grundlage dieser Prospektion entnehmen wir dann gezielt Sedimentbohrkerne, deren Analyse nicht nur Aussagen ĂŒber rĂ€umliche und zeitliche ZusammenhĂ€nge der Siedlungsstrukturen, sondern auch zur Landschaftsentwicklung ermöglicht.“

Spannende Siedlungsstrukturen

Im Mai 2023 wurde nun bei der Hallig SĂŒdfall durch die geophysikalische Prospektion eine bislang unbekannte, zwei Kilometer lange Kette mittelalterlicher Warften entdeckt. Die Funde in dem ĂŒber zehn Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet umfassen bislang 54 Warften, systematische EntwĂ€sserungssysteme, einen Seedeich mit Sielhafen, zwei Standorte kleinerer Kirchen und das besondere Highlight: Bei einem der kĂŒnstlichen SiedlungshĂŒgel zeichneten sich Strukturen ab, die das Team zweifelsfrei als Fundamente einer eindrucksvollen Kirche identifizieren konnte. Demnach war das GebĂ€ude 40 Meter lang und 15 Meter breit. Bohrungen und gezielte Ausgrabungen an dem Ort lieferten zudem bereits weitere Hinweise auf die Strukturen des mittelalterlichen Sakralbaus.

„Damit reiht sich der Fund in die großen Kirchen Nordfrieslands ein“, sagt Sven Majchczack von der CAU. Seine Kollegin Ruth Blankenfeldt, ArchĂ€ologin am Zentrum fĂŒr Baltische und Skandinavische ArchĂ€ologie in Schleswig fĂŒgt hinzu: „Die Besonderheit des Fundes liegt in der Bedeutung der Kirche als Mittelpunkt des SiedlungsgefĂŒges, das in seiner GrĂ¶ĂŸe als Kirchspiel mit ĂŒbergeordneter Funktion interpretiert werden muss.“ Als ein Kirchspiel wird ein mehrere Ortschaften umfassender Bezirk mit einer Pfarrkirche bezeichnet. Die entdeckten Überreste belegen demnach, dass Rungholt tatsĂ€chlich einer der Hauptorte des mittelalterlichen Verwaltungsbezirkes Edomsharde war, sagen die Experten.

Die Erforschung der einstigen Kulturlandschaft im heutigen Wattenmeer soll nun weitergehen – und offenbar sollte dies auch zĂŒgig erfolgen. Denn obwohl die Überreste bereits ĂŒber 600 Jahre ĂŒberstanden haben, sind sie nun zunehmend durch Erosion gefĂ€hrdet: „Um Hallig SĂŒdfall und in anderen WattflĂ€chen sind die mittelalterlichen Siedlungsreste bereits stark erodiert und oft nur noch als Negativabdruck nachweisbar. Dies zeigt sich auch im Umfeld der Kirchwarft sehr deutlich, sodass wir die Erforschung hier dringend intensivieren mĂŒssen“, so Hadler.

Quelle: Johannes Gutenberg-UniversitÀt Mainz

(c) damals.de - Martin Vieweg


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