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In mindestens 50 deutschen Städten haben am Dienstag Zehntausende Schülerinnen und Schüler sowie Studierende mit Demonstrationen und anderen Aktionen auf ihre Forderungen nach besseren Lernbedingungen in Universitäten und Schulen aufmerksam gemacht. In Freiburg gingen nach Polizeiangaben 5 000 Studenten und Schüler auf die Straße. In Jena demonstrierten ca. 1 500 - unter ihnen auch zahlreiche Azubis sowie Schülerinnen und Schüler, denen die Teilnahme zuvor untersagt worden war. Auch in Berlin, Essen, Düsseldorf, Duisburg, Köln und anderen Städten formierten sich Protestzüge.

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© by deym@nn (UZ) Großbildansicht 09470301.jpg (28.9 KB)
In den letzten vier Wochen war es bereits in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien, Großbritannien, Polen, Serbien, Albanien, den USA und den Niederlanden zu zahlreichen Uni-Besetzungen und weiteren Protestformen gekommen. In vielen Universitäten und Hochschulen der Bundesrepublik halten Studentinnen und Studenten bereits seit Tagen Hörsäle besetzt. Sie fordern die Abschaffung von Studiengebühren sowie eine inhaltliche Reform der neuen Bachelor-Studiengänge. Die erste Besetzung in Deutschland fand in Heidelberg statt. Weitere Besetzungen von Hörsälen gab es an der TU Dresden, der Universität Greifswald (Teile des Audimax), in Heidelberg - Neue Universität, an der Universität Potsdam (Audimax am Neuen Palais), der Universität Tübingen, der Akademie der bildenden Künste in München sowie in Berlin (Beuthe Hochschule), Freiburg, Gießen, Hamburg, Kaiserslautern, Lüneburg, Osnabrück, Paderborn, Stuttgart, Tübingen, Weingarten u. a.

Geräumt von der Polizei wurden am 6. November u. a. das Audimax der Universität in Münster und das Audimax der Universität Marburg.

Auch die Schüler von Gymnasien verlangen eine Überprüfung des Unterrichtsstoffs, nachdem die Schulzeit bis zum Abitur von neun auf acht Jahre verkürzt wurde.

(Stand: 17. November, 15 Uhr)




Aus dem Demo-Aufruf aus Duisburg
Warum überhaupt streiken gehen? ...


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© by deym@nn (UZ) Großbildansicht 09470302.jpg (32 KB)
Überfüllte Klassen, dauernd ausfallende Unterrichtsstunden, Lehrermangel, altes Schulmaterial und mangelnde Technik prägen das Bild unserer Schulen. Es werden keine selbstständig denkenden und Entscheidungen treffenden Jugendlichen, die ein hohes Maß an Allgemeinbildung haben, sondern passive Ja-Sager hervorgebracht.

Profilbildung und ähnliche Maßnahmen verstärken die bestehenden Ungerechtigkeiten an unseren Schulen, so dass nur "gute" Schüler oder die, die genug Geld haben, sich z. B. Nachhilfe leisten können oder die Möglichkeit haben, bessere Schulen zu besuchen.

Und auch an den Hochschulen sieht das Bild nicht wesentlich anders aus. Überfüllte Hörsäle, schlechte Materialien usw. sind nur ein Teil der Probleme an den deutschen Universitäten. Hochschulen sind selbst wie Unternehmen aufgebaut und vermitteln fast nur noch Wissen, das für Unternehmen relevant ist. Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist ein weiterer Beweis dafür.
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Mit alten Idealen von einer Universität, die den Menschen zu einem selbstständigen und weltoffenen Individuum machen sollte, ist längst gebrochen. Durch Studiengebühren, die es inzwischen in fast allen Bundesländern gibt, können immer weniger Jugendliche sich das Studium leisten. Viele müssen neben dem Studium arbeiten gehen, um sich ihre Ausbildung zu finanzieren.

So darf es nicht weitergehen!

Wir, das Duisburger SchülerInnen Bündnis (DSB), rufen SchülerInnen, StudentInnen, Azubis, ArbeiterInnen, Erwerbslose und alle anderen dazu auf, sich an den Protestaktionen gegen das Bildungssystem zu beteiligen!

Lasst uns gemeinsam kämpfen!

Wir fordern:
  • selbstbestimmtes Lernen und Leben statt starrem Zeitrahmen, Leistungs- und Konkurrenzdruck
  • freier Bildungszugang und Abschaffung von sämtlichen Bildungsgebühren wie Studien-, Ausbildungsund Kitagebühren
  • öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft u. a. auf Lehrinhalte, Studienstrukturen und Stellenvergabe
  • Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen

Wir werden nicht länger um unsere Rechte betteln!
Wir werden sie uns erkämpfen!