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Dokumentiert: Rede von Aleka Papariga, der GeneralsekretĂ€rin der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), zu deren 90. GrĂŒndungstag.

Die KKE hat sich in den vergangenen neunzig Jahren auch unter den schwierigsten Bedingungen nie gescheut, Thesen zu vertreten, die Repression seitens der Herrschenden nach sich zogen und die die Gesellschaft zunÀchst nicht akzeptierte. (...)

Wir sind stolz darauf, in der bisher schwierigsten Phase des sozialistischen Weltsystems und der kommunistischen Bewegung,1 als (...) viele der Kader und FunktionĂ€re »das sinkende Schiff verließen«, vom Sieg der Konterrevolution gesprochen zu haben. Wir verteidigten die Rolle und die Errungenschaften des Sozialismus im 20. Jahrhundert, seine historische Notwendigkeit und die Tatsache, daß unsere Epoche das Zeitalter des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus bleibt.

Autonomie der KKE gewahrt

Die KKE ist die drittstÀrkste politische Partei in Griechenland. Mit einem Ergebnis von 8,15 Prozent bei den letzten landesweiten Wahlen 2007 konnte sie 22 Abgeordnetenmandate im Nationalparlament erringen.
Nach eigenem Bekunden hat die KKE »niemals eine ErklĂ€rung der Reue gegenĂŒber der herrschenden Klasse im eigenen Land oder international« abgegeben. Sie sieht sich in einer Traditionslinie, die unmittelbar auf Lenin und den Roten Oktober 1917 zurĂŒckgeht.
Ihre Politik ist gekennzeichnet durch einen scharfen Konfrontationskurs gegenĂŒber den Herrschenden, was ihr von seiten mancher eher auf Versöhnung und Reformen orientierten LinkskrĂ€fte naturgemĂ€ĂŸ Kritik eingebracht hat.
Daß ihre antiimperialistische Linie der KKE dagegen auch hierzulande Sympathien eintrĂ€gt, wurde auf der XIII. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz im Januar 2008 in Berlin deutlich. Dort erlĂ€uterte Aleka Papariga in einem Referat Prinzipien und SelbstverstĂ€ndnis ihrer Partei – nachzulesen im weiterhin lieferbaren Reader zur Konferenz.

(jW)
1991 wurden wir nicht einfach nur den VerhĂ€ltnissen gerecht, als wir uns weigerten, die Partei zugunsten der damaligen Linksallianz aufzulösen,2 vielmehr hielten wir die historische KontinuitĂ€t der KKE aufrecht. Es verging seitdem kein Tag, an dem wir uns nicht in die gesellschaftlichen KĂ€mpfe eingebracht haben. Als mit dem Vertrag von Maastricht,3 dem alle Parteien Griechenlands außer der KKE zugestimmt hatten, grĂŒnes Licht fĂŒr die ersten barbarischen Maßnahmen der kapitalistischen Neuordnung gegeben wurde, standen wir, wenn auch geschwĂ€cht, bereit, aufzuklĂ€ren und die Initiative fĂŒr den Widerstand zu ergreifen. Gegen den Strom schwimmend, erklĂ€rten wir, daß das griechische Volk eine instabile Regierung, ein instabiles volksfeindliches politisches System nicht nur nicht fĂŒrchten, sondern geradezu auf dessen InstabilitĂ€t hinarbeiten sollte, natĂŒrlich immer durch SchlĂ€ge der Arbeiter- bzw. Volksbewegung und mit dem Ziel des finalen Gegenangriffs.

Die KKE hat das griechische Volk offen und deutlich darauf hingewiesen, es mĂŒsse nicht nur die Wahl zwischen Nea Dimokratia (ND) und PASOK4 verurteilen, sondern weitergehen und sich gegen die Szenarien einer Neubildung des politischen Systems mit Mitte-rechts- oder Mitte-links-Regierungen wappnen.

Aus unserer ganzen Parteigeschichte haben wir eine Lehre gezogen: Es ist niemals, unter keinen UmstĂ€nden, gerechtfertigt, auf die Autonomie der Partei zu verzichten, ihre breitestmögliche Organisation muß unter allen UmstĂ€nden aufrechterhalten werden – immer unter der Vorrausetzung, daß wir uns dabei auf eine ausgearbeitete Strategie und Taktik stĂŒtzen, die die Interessen der Arbeiterklasse nicht vorlĂ€ufigen Erfolgen oder den Schwierigkeiten des Kampfes unterordnet. Keine politisch noch so radikale Formierung kann die Funktion einer vor allem an den ArbeitsplĂ€tzen und in den verschiedenen Wirtschaftszweigen organisierten kommunistischen Partei ersetzen. Das gilt auch fĂŒr die KKE. Es wird daher keine Wiederholung von 1958 geben, als sich die Partei zugunsten einer breiteren linken Formation auflöste. Vielmehr ist die ideologische, politische und organisatorische SelbstĂ€ndigkeit der KKE Voraussetzung fĂŒr die GrĂŒndung und den Erhalt eines politischen BĂŒndnisses, das wir vorschlagen: die Antiimperialistische Antimonopolistische Demokratische Front (AADM). Darum erkennen wir auch das Recht auf SelbstĂ€ndigkeit der VerbĂŒndeten an.

Es ist ein Charakteristikum der KKE, wie ein starker Pflug zu arbeiten, der die Erde tief pflĂŒgt, um neue, avantgardistische und noch ungewohnte Ideen in die Welt zu setzen, die zur Abschaffung der Ausbeutung heranwachsen sollen: fĂŒr soziale Gleichheit, fĂŒr Gleichheit der beiden Geschlechter, fĂŒr proletarischen Internationalismus, fĂŒr Wissenschaft im Dienst des Volkes.

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Mitglieder der KKE und KNE, des Kommunistischen Jugendverbandes, wÀhrend der Rede von Aleka Papariga.
Wir sind nicht nur einfach die Partei, in deren Aufmerksamkeit der Mensch und seine MĂŒhsal stehen. Wir sind die Partei, die in ihm die avantgardistische Kraft der Befreiung der Gesellschaft aus jeder Form von Ausbeutung sieht. In der Jugend erkennen wir die Arbeiterklasse von morgen, die zukĂŒnftigen Schichten des Volkes, die die Last der großen, radikalen UmwĂ€lzungen auf sich nehmen werden. Wir hoffen, daß sie es besser schaffen als wir.

Die KKE engagiert sich in den alltĂ€glichen sozialen KĂ€mpfen. Sie kĂŒmmert sich um das, was die Bevölkerungsmehrheit quĂ€lt und plagt. Gleichzeitig versucht sie – mal mehr, mal weniger gut – unabhĂ€ngig vom herrschenden KrĂ€fteverhĂ€ltnis, Streiterin fĂŒr den historisch notwendigen Wechsel zu sein. Die BĂŒrgerlichen und jede Art fatalistischer Opportunisten sind nur daran interessiert, die Figuren auf dem Schachbrett des bĂŒrgerlichen Regierungssystems zu verschieben.

Wir vertreten in unserer gesamten Geschichte den Realismus des kĂ€mpferischen Ungehorsams, der Befehlsverweigerung gegenĂŒber der Anweisung zu Unterordnung und Anpassung, wir setzen den Realismus des Widerstands, des Gegenangriffs gegen den angeblichen Realismus der Anpassung, der EinschĂŒchterung und der Bestechlichkeit. Diese Haltung hat nichts mit kleinbĂŒrgerlicher Ungeduld und Opportunismus zu tun. Die KKE sucht nicht nach Neologismen, sie Ă€ndert diejenigen wissenschaftlichen Begriffe nicht, die spezifische Inhalte auch fĂŒr die Gegenwart zum Ausdruck bringen. Wir suchen nicht heuchlerisch nach Neuerungen. Unser Bestreben ist es aufzuzeigen, was getan werden muß, um in den sich entwickelnden objektiven VerhĂ€ltnissen zu einer Lösung der Probleme zu kommen. Realistisch ist das, was das Volk erreichen kann, wenn es seine Kraft zu gebrauchen weiß und wenn es die MachtverhĂ€ltnisse zu Ă€ndern wagt, anstatt weiter unter den fĂŒr es negativen Gegebenheiten zu leben.

System irreparabel schwÀchen

Was ist heute realistisch? Auf diese Frage antwortet die KKE mit ihrem Programm und mit ihren Schlußfolgerungen aus dem sozialistischen Aufbau, die die Überlegenheit dieses Systems deutlich machen und Aufbaufehler kritisch bewerten. Das schmerzt den Gegner, der nichts Neues zu dem hinzuzufĂŒgen hat, was er schon zum Sieg der Oktoberrevolution gesagt hatte. Mit allem, was er von sich gibt, meint er nur eins: Er kann nicht damit leben, daß die kapitalistische Eigentumsordnung angezweifelt wird. Das ist der Streitpunkt, mit dem wir uns auseinandersetzen wollen, nicht das Gerede ĂŒber Stalinismus, ĂŒber Jalta5 und was wir sonst noch alles bis zum Erbrechen zu hören bekommen.

Auf die Frage »Wo finden wir den Ausweg?« antworten wir mit einer Allianz, die die politische StĂ€rke der BĂŒndnispartner beachtet und ihre unterschiedlichen Auffassungen zum Sozialismus berĂŒcksichtigt. Wir antworten mit unseren VorschlĂ€gen auf alle aktuellen Probleme (...). Aber wir bleiben dort nicht stehen, weil der Kampf, heute mehr als gestern, auf den Umsturz und den Sieg der Macht des Volkes sowie seines Wirtschaftssystems gerichtet sein muß.

Auf die Risse, die das politische System des steten Regierungswechsels zwischen zwei Parteien, ND und PASOK, aufweist, antworten wir mit dem Aufruf, es vollstĂ€ndig und irreparabel zu schwĂ€chen. Auf die Versuche der bĂŒrgerlichen Klasse, eine Neuauflage des Derbys zwischen diesen beiden Parteien zu initiieren oder fĂŒr eine Zwischenzeit eine Mitte-rechts- oder Mitte-links-Regierung zu installieren, antworten wir »Bleibt nicht stehen!«, »SchwĂ€cht die bĂŒrgerlichen Parteien!«, »Sucht nicht nach vermeintlichen Unterschieden!«. Das einzige, was sie trennt, ist das egoistische Streben, das Regierungssteuer in der Hand zu haben. Trennt sie von ihren SchutzwĂ€llen zur Rechten und zur Linken. Habt kein Vertrauen in den Opportunismus, der versucht, euch zu umgarnen, euch mit vorgeblich linken Regierungen in die Irre zu fĂŒhren, ohne daß sie die leiseste Absicht haben, an der Herrschaft der Monopole zu kratzen.

Es geht um Neuordnung und Wiedergeburt der Arbeiterbewegung mit klassenbewußter Ausrichtung. StĂ€rkt die Kraft der KKE, damit die Volksbewegung wĂ€chst, unabhĂ€ngig davon, ob ihr in allem mit der Partei ĂŒbereinstimmt. Emanzipation des Bewußtseins von jeder Furcht und jedem Fatalismus gegenĂŒber den Vorgaben der EU und den Verpflichtungen gegenĂŒber der NATO.

Der Gegner ist nicht allmĂ€chtig. Er hat heute nicht die gleichen Waffen wie gestern, um die Krise zu meistern. Die Diskussionen um das regionale, nationale oder globale Management der Kapital- und FinanzmĂ€rkte sind wirkungslos, da sich eine immense KomplexitĂ€t unter den Bedingungen eines entfesselten Marktes entwickelt hat. Möglicherweise wird die Krise die starken kapitalistischen LĂ€nder gleichzeitig treffen, möglicherweise wird sie eher Griechenland als andere LĂ€nder des Balkans treffen. Der Angriff zu Lasten der Völker wird dann noch schlimmer sein. Wir mĂŒssen darauf vorbereitet sein. Kapitalismus ohne Perspektive

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»Der Gegner ist nicht allmÀchtig«: Die GeneralsekretÀrin der KKE, Aleka Papariga
Das bĂŒrgerliche politische System, der Monopolkapitalismus, mit anderen Worten: der Imperialismus, hat vor langer Zeit die FĂ€higkeit verloren, ZugestĂ€ndnisse an die unterdrĂŒckten Klassen und Schichten zu machen, die zu einer relativen oder auch absoluten Verbesserung des Lebensstandards fĂŒhren. Heute ist das System reaktionĂ€rer und barbarischer und wird auf keinen Fall zurĂŒckweichen.

Im besten Fall hat es dem arbeitslosen Jugendlichen, der arbeitslosen Frau eine auf fĂŒnf bis neun Monate befristete und schlecht bezahlte Stelle aus den staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogrammen zu bieten. Eine TeilzeitbeschĂ€ftigung bei einem Unternehmer, fĂŒr den keine Arbeitssicherheitsgesetze gelten. Und den Job gibt es auch erst, nachdem der oder die Jugendliche tausend TreueschwĂŒre geleistet und tausend Kotaus vor dem Unternehmer, einer Partei, einem Parlamentarier oder PrĂ€fekten gemacht hat.

Was hat das System einem jungen Paar zu bieten? Das Abrackern fĂŒr die Bau- und Konsumdarlehen, wobei es sich auch noch die RatschlĂ€ge der Banken gegen Überschuldung anhören muß. Dazu die Suche nach einem Kindergarten- oder Vorschulplatz, die Wahl zwischen den horrenden Kosten fĂŒr die staatliche oder die noch höheren Kosten fĂŒr die private Kindergartenspeisung.

Was hat es der BĂ€uerin zu bieten, die wegen der immer hĂ€ufiger unrentablen Landwirtschaft mit ihrem Mann zusammen von ihrem Grund und Boden vertrieben wurde? Den Versuch, mit selbstgekochter Marmelade gegen die Supermarktketten zu konkurrieren, wĂ€hrend ihr Mann drei Jobs gleichzeitig macht, um seinen Tagelohn zu sichern. Saisonarbeitsstellen unter elenden Bedingungen in den großen Touristenzentren, im verzweifelten Versuch, die 101 versicherten Arbeitstage im Jahr fĂŒr das Recht auf ein bißchen Arbeitslosengeld zusammenzubekommen.

Was hat es dem SelbstĂ€ndigen zu bieten, dem Kleinunternehmer, wenn der Löwenanteil des Umsatzes in die großen Ladenketten fließt?

Welche Antwort hat es auf das Fehlen von Infrastruktur? Die Politik des »Ausgleichs«: Bezahle und dann bezahle noch mal fĂŒr die Nutzung. Du willst Straßen, die keine Todesfallen sind? Zahle StraßennutzungsgebĂŒhren. Du willst Schutzmaßnahmen gegen Erdbeben? Zahle hohe Quadratmeterpreise. Du willst saubere und umweltgerechte StrĂ€nde? Dann stimme zu, wenn diese fĂŒr einen Apfel und ein Ei an Unternehmen vergeben werden, und bezahle spĂ€ter Eintritt; bezahle fĂŒr die Dusche, fĂŒr den Liegestuhl.

Was hat das System, haben die Parteien der Macht dem nach Bildung suchenden Jugendlichen zu bieten? Eine Schule, die die Taschen der Eltern und die Hirne der Jugend leert. Eine Vielzahl angeblich alternativer Lösungen eines kostenpflichtigen und minderwertigen Systems der beruflichen Zurichtung fĂŒr moderne Arbeitssklaven.

Was hat es den Rentnern zu bieten, die ihren Lebensabend in Ruhe und Sicherheit genießen wollen? Die Möglichkeit, ein paar Euro Extrarente zu verdienen, wenn sie bis zum 67. oder gar 71. Lebensjahr weiterarbeiten? Und von da an ein einsames und schwieriges oder ein finsteres Leben in den Altersheim genannten AbstellrĂ€umen fĂŒr Senioren, die bezahlt werden mĂŒssen. Oder die Option, beim BĂŒrgermeister zu betteln, auf daß er dir, und sei es fĂŒr einen Tag, einen schlecht oder gar nicht bezahlten Sozialarbeiter aus dem sozialen Hilfsprogramm der Gemeinde schickt.

Die bĂŒrgerliche Klasse und die ihr dienenden Parteien, vorrangig Nea Dimokratia und PASOK, nutzten und nutzen skrupellos gesellschaftliche UnterstĂŒtzungs- und Hilfsprogramme, vor allem die Erfahrung der europĂ€ischen liberalen und sozialdemokratischen Parteien, indem sie freigebig Geld verteilten, das mit dem Schweiß der Völker gewonnen wurde, um die Arbeiteraristokratie zu stĂ€rken und zu erweitern. Sie verteilen großzĂŒgig Bestechungsgelder. Sie bezahlen Vertreter von Gewerkschaftsorganisationen und politischen Parteien, mit denen ein Konsens herrscht oder die zur Zustimmung gebracht werden. Sie sind galant gegenĂŒber eigens geschaffenen Nichtregierungsorganisationen, damit sich eine Schicht von Integrierten bildet, die mit linken und konservativen modernen Parolen die Unterordnung predigen. Sie verteilen freigebig Gelder und Privilegien an obere Teile der mittleren Schichten, um die Allianz der bĂŒrgerlichen Klasse zu organisieren, um Bewußtsein zu zerfressen, um die Allianz der antimonopolistischen gesellschaftlichen KrĂ€fte zu behindern.

Der Opportunismus wird großzĂŒgig bedacht und gleichzeitig in die eine oder andere Richtung gedrĂ€ngt. Mal um als StĂŒtze der Regierung zu dienen, mal um einen oppositionellen Schutzwall gegen die KKE und die Arbeiterbewegung zu bilden. Je lauter das oppositionelle Geschrei des SYRIZA6 wird, umso deutlicher zeigt sich, daß seine VorschlĂ€ge nicht einmal dazu taugen, den Kopfschmerz der WerktĂ€tigen zu lindern. Seine VorschlĂ€ge sind ein Rettungsboot mit Löchern.

Die bĂŒrgerliche Klasse und ihre StĂ€be scheuen sich nicht, dem Volk sogar eigene Kader zum Fraß vorzuwerfen, die dem System Jahr um Jahr treu gedient hatten, wenn sie die Wut und den Zorn des Volkes besĂ€nftigen mĂŒssen. Skandale werden aufgedeckt, solange es nötig ist, um die falsche Ansicht zu kultivieren, daß die Macht der Monopole menschlich, sozial und arbeiterfreundlich sein könne, wenn nur die Diebe und BetrĂŒger beseitigt wĂŒrden.

Das antiimperialistische BĂŒndnis

Was hat die KKE dem Volk heute zu bieten? Zuallererst das, was WerktĂ€tige und Jugend sehr gut wissen, daß wir beharrliche und unbeugsame Streiter an der Seite der Arbeiterklasse, der SelbstĂ€ndigen, der Kleinbauern, der Jugend, der Frauen und der Migranten sind. Wir informieren, sehen und prĂŒfen, warnen rechtzeitig. Wir fĂŒrchten uns nicht, halten Schwierigkeiten aus, weichen nicht zurĂŒck, wir verraten nicht und dementieren unser Bestreben nicht. Wir geraten nicht in Versuchung, jemanden mit der Aussicht auf schlaue Lösungen zu beschwindeln, fĂŒr die kein Kampf, keine Opfer des Volkes nötig wĂ€ren.

Unserem Vorschlag fĂŒr ein BĂŒndnis geben wir auf der Basis objektiver Einsichten Profil und nicht auf der von Parolen, abstrakten Visionen und subjektiver Selbstfixierung. Diese Allianz stĂŒtzt sich auf die gemeinsamen Interessen der Arbeiterklasse, der SelbstĂ€ndigen, der Kleinbauern. Zu diesen gesellschaftlichen KrĂ€ften zĂ€hlen wir auch die Migranten in unserem Land, unabhĂ€ngig davon, ob sie legalisiert wurden oder nicht.

Wir entwickeln Aktionsprogramme fĂŒr die Jugend und die Frauen, die den BĂŒndniskrĂ€ften angehören oder in sie hineinwachsen werden. Wir erweitern und verankern diese Programme auch in der Allianz. Dies scheint heute schwierig, ist aber eine Frage der KrĂ€fteverhĂ€ltnisse. Die verĂ€ndern sich mit dem Willen und der Aktion der Bevölkerung. Je schneller sich Teile der Bevölkerung aus der Umklammerung, dem DefĂ€tismus und dem Einfluß der Strategie der Monopole befreien, umso schneller Ă€ndert sich auch die Zusammensetzung der politischen KrĂ€fte. (...) Unter dem Einfluß positiver Entwicklungen in der Bewegung und im Bewußtsein des Volkes können neue politische Formen entstehen, die auf den Bruch mit den Monopolen und dem Imperialismus im Land, mit der Strategie des Kapitalismus ausgerichtet sind. Dann ist es unsere Pflicht, damit zu korrespondieren. Es liegt in unserer Verantwortung zu helfen, aber nicht alles hĂ€ngt von uns ab.

Basis des BĂŒndnisses ist der Widerspruch und der Bruch mit den Monopolen, dem Imperialismus und folglich auch mit den ihnen dienenden Parteien. Wir fordern keine Übereinstimmung in der Frage des Sozialismus, keine Identifizierung mit der Ideologie der KKE. Nach unserer EinschĂ€tzung kann allerdings die Aussicht auf die Macht des Volkes eine gemeinsame Basis bilden, damit die Allianz eine RichtungsĂ€nderung bewirkt, einen anderen Weg des Wachstums, arbeiterfreundlich, volksfreundlich, ohne die Verpflichtungen, die von EU und NATO auferlegt werden. Man kann nicht zwei Herren dienen, entweder dem Volk oder den Monopolen.

Einige Gutwillige fragen, ob es nicht heute, wo die Probleme der WerktĂ€tigen zunehmen, wo wir eine erdrĂŒckende Ausweglosigkeit spĂŒren, vielleicht gut wĂ€re, wenn einige Parteien oder einige Bewegungen in drei bis vier existentiellen Fragen Übereinstimmung fĂ€nden und alles andere erst einmal außen vor ließen. Doch wenn die drĂ€ngenden Probleme heute nur drei, vier oder auch fĂŒnf, sechs wĂ€ren, dann wĂŒrden wir vielleicht nicht von erdrĂŒckender Ausweglosigkeit sprechen. Auch wird gefragt, wenn wir willkĂŒrlich einige Probleme isolieren und viele andere außer acht lassen, ob es dann nicht die Möglichkeit einer Übereinkunft z.B. mit PASOK oder SYRIZA gĂ€be? Es gibt keine unabhĂ€ngigen Probleme, die nicht AuswĂŒchse einer allgemeinen politischen Linie des Monopolkapitals sind. Es gibt Probleme der Arbeiterklasse, der SelbstĂ€ndigen, der Klein- und Mittelbauern. Es gibt das Problem der Folgen aus der Konzentration des Kapitals, der Privatisierung, der Entfesselung des Marktes, das Problem der Folgen aus den Verpflichtungen gegenĂŒber der EU und der NATO, der griechisch-US-amerikanischen Abkommen, die Auswirkungen auf politischer, militĂ€rischer und ökonomischer Ebene haben, auf der Ebene der gewerkschaftlichen und demokratischen Rechte.

Machtfrage stellen

Was sollen wir da außen vor lassen? Ein Pakt in der Opposition ist im Grunde auch ein Pakt fĂŒr eine mögliche Regierungskoalition oder, nach unserem VerstĂ€ndnis, ein Pakt fĂŒr die AusĂŒbung der politischen Macht. Eine Regierung, welcher Form auch immer, muß eine umfassende Strategie vorweisen, die in grundlegenden Linien Antwort auf die Frage »HĂ€ltst du es mit dem Volk oder mit den Monopolen?« gibt. Griechenland wird nicht mit der Zustimmung und Beteiligung der KKE ein zweites Italien, Frankreich oder Deutschland der verlorenen Hoffnungen werden.

Wir bleiben nicht untĂ€tig, wir kĂ€mpfen auch unter den heutigen KrĂ€fteverhĂ€ltnissen, aber der Widerstand gegen die Regierungen von ND oder PASOK reicht nicht. Es braucht die Auseinandersetzung mit ihrer Strategie. Es braucht einen entschiedenen Kampf, der die Machtfrage stellt. Das ist der einzige Weg fĂŒr die Arbeiter und fĂŒr das Volk. Eine neue politische Herrschaft in seinem Interesse, aber unter den alten EigentumsverhĂ€ltnissen ist dazu verurteilt zu scheitern, verurteilt zu verraten.

Die Logik von den Zwischenstufen, die Logik »Machen wir einen Schritt, und dann schau'n wir mal, wie es weitergeht« birgt heute die große Gefahr, daß wertvolle Zeit verlorengeht. Und die Lehre von 1981 liegt nicht so weit zurĂŒck. Macht den ersten Schritt mit uns zusammen, in geeinter Aktion, ohne daß von euch verlangt wird, eure eigenen Ansichten aufzugeben. Dann werden die Dinge morgen besser aussehen. (...)

Unsere Kraft ist die avantgardistische Theorie, die avantgardistische Praxis! Unsere Kraft und unsere Waffe sind die Geschichte der KKE und der KNE, sind die Erfahrung und die Lehren aus der Geschichte der internationalen Bewegung der Arbeiter und der Kommunisten, ist die wissenschaftliche Untersuchung des sozialistischen Aufbaus im 20. Jahrhundert! Unsere Kraft ist die Gewißheit, daß die Bewegung der Völker erneut anschwillt, daß ein neuer Reigen gesellschaftlicher UmstĂŒrze und sozialistischer Revolutionen kommen wird. Wir lassen den Kopf nicht hĂ€ngen, wir glauben an die Kraft und den Willen des Volkes. Wir glauben an die Jugend.

(Aus dem Griechischen von Heike Schrader, Athen)


Anmerkungen der Redaktion:
1 Die Rede ist vom Zusammenbruch osteuropÀischer sozialistischer Staaten zwischen 1989 und 1991.
2 1989 grĂŒndete sich die »Koalition der Linken und des Fortschritts«, Synaspismos, an der sich zunĂ€chst auch die KKE beteiligte. 1991 wehrte sich die KP gegen ein Aufgehen in dem BĂŒndnis und verließ es daraufhin.
3 Am 7. Februar 1992 unterzeichnete im niederlĂ€ndischen Maastricht der EuropĂ€ische Rat den »Vertrag ĂŒber die EuropĂ€ische Union«. Die EU ist seitdem ein den Nationalstaaten ĂŒbergeordneter Verbund, der fĂŒr eine gemeinsame Außenpolitik und fĂŒr die Zusammenarbeit in Justiz und Innerem zustĂ€ndig ist.
4 »Nea Dimokratia« ist die konservative Partei Griechenlands, PASOK, die Gesamtgriechische Sozialistische Bewegung, die sozialdemokratische.
5 Auf der Konferenz von Jalta trafen sich im Februar 1945 die alliierten Staatschefs Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Vereinigtes Königreich) und Josef Stalin (Sowjetunion). Es wurden die EinflußsphĂ€ren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges festgelegt.
6 Ein 2004 gebildetes WahlbĂŒndnis von Synaspismos mit anderen linken griechischen Parteien, das bei Parlamentswahlen erfolgreich kandidiert.

* Wir dokumentieren eine Rede, die Aleka Papariga, GeneralsekretĂ€rin der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE), am 21. September in Athen gehalten hat. Ihre Ansprache bildete den Abschluß eines Festivals, das seit 1975 alljĂ€hrlich vom Kommunistischen Jugendverband KNE und dessen Zeitung Odigitis veranstaltet wird. Die Feierlichkeiten begannen bereits im Mai. In den Monaten darauf folgten Hunderte Kultur- und politische Veranstaltungen landesweit. AnlĂ€ĂŸlich des 90. GrĂŒndungstages der KKE am 17. November wurde das viertĂ€gige Festival in der Hauptstadt in diesem Herbst erstmalig gemeinsam von Partei und KNE ausgerichtet.