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Wen oder was besch√ľtzen die deutschen Soldaten im Norden Afghanistans? Wie die Menschrenrechtsorganisation Amnesty International informiert, wurde am 22. Januar 2008 in der Stadt Mazar-e-Sharif in der Provinz Balkh im Norden Afghanistans - genau hier sind die Bundeswehr-Einheiten stationiert - der Student und Journalist Sayed Perwiz Kambakhsh wegen Blasphemie zum Tode verurteilt. Sayed Perwiz Kambakhsh soll Material aus dem Internet heruntergeladen haben, das die Rolle der Frauen im Islam beleuchtet. Dem Vernehmen nach hat er dieses Material in der Universit√§t von Balkh verteilt. Das schriftliche Todesurteil wurde dem Studenten ausgeh√§ndigt, noch bevor er die M√∂glichkeit hatte, sich zu verteidigen.

Die Bundeswehr versucht, ein anderes Bild der Lage zu vermitteln. "Der Norden Afghanistans ist f√ľr ganz Afghanistan ein gutes Beispiel f√ľr Sicherheit, Stabilit√§t, Wiederaufbau und Entwicklung¬ď, zitiert die offizielle Homepage der Bundeswehr den Brigadegeneral Dieter Warnecke.

Nach Ansicht von Amnesty International scheint der Fall gegen Sayed Perwiz Kambakhsh politische Gr√ľnde zu haben und darauf abzuzielen, seinen Bruder Yaqub Ibrahimi davon abzuhalten, in seinen Artikeln lokale Machthaber zu kritisieren. Yaqub Ibrahimi ist ebenfalls Journalist und arbeitet f√ľr das Institut f√ľr Berichterstattung zu Krieg und Frieden, eine gemeinn√ľtzige Einrichtung, die den √∂rtlichen Medien M√∂glichkeiten der Aus- und Weiterbildung gibt. Sayed Perwiz Kambakhsh wurde im November 2007 festgenommen, nachdem Yaqub Ibrahimi eine Reihe von Artikeln ver√∂ffentlicht hatte, in denen er sich kritisch √ľber lokale Machtstrukturen √§u√üerte.

Bereits im Oktober 2007 wurden 15 Personen hingerichtet. Nach Informationen von Amnesty waren dies die ersten Hinrichtungen in Afghanis­tan seit drei Jahren. Eine zum Tode verurteilte Person soll sich durch Bestechung vor der Hinrichtung habe retten können. Gleich nach den Hinrichtungen traten einige Häftlinge des Pul-e-Charkhi-Gefängnisses in den Hungerstreik. Die Häftlinge erklärten, die Hinrichtungen fänden nicht aufgrund fairer und trans­parenter Verfahren statt, einige seien politisch motiviert. Zwischen 70 und 110 Personen sollen sich derzeit in Todeszellen befinden.

"Die Angeh√∂rigen der Bundeswehr leisten hier hervorragende Arbeit. Ich habe mich davon √ľberzeugen k√∂nnen, dass wir auf dem richtigen Weg sind," hatte Bundesverteidigungsminister Jung seine Eindr√ľcke zusammengefasst, als er Ende Januar die deutschen Truppen in Afghanistan besuchte.

Bereits vor einem Jahr hatte die Revolution√§re Frauenvereinigung Afghanistans (RAWA) aus Anlass des Internationalen Frauentags am 8. M√§rz 2007 kritisiert: "Die Welt hatte sich auf die Fahnen geschrieben 'die afghanischen Frauen zu befreien' und ist in unser Land eingefallen, aber die Sorgen und Entbehrungen der afghanischen Frauen sind nicht weniger geworden, im Gegenteil. Tats√§chlich verschlimmert sich die Unterdr√ľckung dieser benachteiligsten Gruppe unserer Bev√∂lkerung Tag f√ľr Tag und die Brutalit√§t gegen sie steigt stetig. Die korrupte und mafiose Regierung von Herrn Karzai und der internationale Kreis ihrer Bef√ľrworter spielen schamlos mit dem unertr√§glichen Leid der afghanischen Frauen und missbrauchen es als Propagandamittel um die Menschen auf der ganzen Welt irrezuf√ľhren. (...) Die US-Regierung und ihre Verb√ľndeten brachten die Mafiabanden der Jehadi an die Macht und haben damit einen unverzeihlichen Verrat an unserem Volk begangen. Nur zu deutlich hat unser Volk und die Welt begriffen, dass die US-Regierung und ihre Verb√ľndeten nur ihre eigenen globalen und regionalen Interessen verfolgen und dass Stabilit√§t, Freiheit und Demokratie in Afghanistan f√ľr sie nicht von Bedeutung ist. Die Frauen und M√§nner von Afghanistan m√ľssen sich bewusst machen, dass Freiheit und Demokratie weder mit B52-Bombern gebracht werden k√∂nnen, noch durch ein fremdes Land oder Spione aus dem Iran, Pakistan, den USA oder Russland. Diese Werte k√∂nnen wir nur erlangen, indem wir bewusst, best√§ndig, dauerhaft und mit Mut und Kampfgeist f√ľr sie eintreten."


Quelle: Redglobe.de