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Der französische Schriftsteller Georges Bernanos, Katholik und sich politisch zur Rechten zählend, beschrieb in seinem Buch "Die großen Friedhöfe unter dem Mond" ein Massaker der Franco-Horden:

"Zwei Abende vorher waren 200 Einwohner der kleinen Nachbarstadt Manacor ... mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt und schubweise auf den Friedhof gebracht worden, wo man sie mit Kopfschüssen niederstreckte und ein Stück weiter auf einem Haufen verbrannte. Die Person, die ich weiterhin gezwungen bin, Bischof und Erzbischof zu nennen, hatte dazu einen ihrer Geistlichen gesandt, der, mit den Schuhen im Blute watend, jeweils zwischen zwei Salven die Absolution erteilte ..."

Der katholische Klerus - Steigbügelhalter der Faschisten von Mussolini bis Pinochet - hatte den Putsch in Spanien von Anfang an unterstützt. Francisco Franco nannte sich "Caudillo von Spanien durch die Gnade Gottes", der sich in diesem Fall vertreten ließ durch die Nazi-Luftwaffe: Sie hatte seine Truppen aus Marokko nach Spanien gebracht, sie warf Bomben unterschiedslos auf Wohnhäuser, Kirchen und Klöster.

Man könnte darüber hinweggehen, wenn es einfach nur so wäre, dass Benedikt XVI. am Sonntag bei einer Messe in Rom dem Panoptikum der katholischen Heiligen und Seligen 498 weitere "Märtyrer des Glaubens" hinzugefügt hat. Doch der Vorgang, genau diese Toten des spanischen Kriegs von 1936 bis 1939 zu ehren, greift tief in die spanische Innenpolitik ein. Spanien steht im Wahlkampf und die sozialdemokratische Regierung unter Zapatero versucht dort gerade, mit einem halbherzigen "Erinnerungsgesetz" die Zeit der franquistischen Herrschaft aufzuarbeiten. Da kommt im katholischen Spanien der Rechten die Seligsprechung von Märtyrern aus dem Franco-Lager gelegen.

Der Papst hat sich was gedacht dabei. Er führt die vatikanische Politik der Dreißigerjahre weiter. Gegen den Oktober 1917 und gegen den Juli 1789.

 
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